von lf 06.06.2017 14:16 Uhr

Schuldenkrise in Italien: Griechenland ein Witz dagegen

Vor wenigen Tagen wurde die Rettung der italienischen Krisenbank „Monte dei Paschi di Siena“ durch die EU-Kommission beschlossen. Zusätzlich zur vorerstigen Abwendung der Bankenpleite wuchs die Wirtschaft im Stiefelstaat im ersten Quartal 2017 doppelt so schnell wie prognostiziert. Zwei gut klingende Nachrichten, die jedoch nicht über die missliche Lage Italiens hinwegtäuschen können.

Fotomontage: © Dr. Stephan Barth / pixelio.de, © Q.pictures / pixelio.de, UT24

Die Europäische Union hat Italien nach monatelangem Ringen die Erlaubnis erteilt, der durch faule Kredite und Milliardenverluste krisengebeutelte Bank „Monte dei Paschi di Siena“ mit 6,6 Milliarden Euro aus der Patsche zu helfen – eine Staatsintervention von gigantischem Ausmaß.

Parallel zur erfolgreichen Abwendung der Bankenpleite wuchs die italienische Wirtschaft laut Istat zwischen ersten Januar und März 2017 um 0,4 Prozentpunkte – das ist doppel so hoch wie angenommen.

Der Schein trügt

Doch können diesen vermeintlichen positiven Nachrichten nicht über die desolate Lage Italiens hinwegtäuschen, welche die Schuldenkrise verursacht. Das zeigt sich, wenn man einen Blick auf die Finanzmärkte wirft: Der Spread hat sich im Vergleich zu anderen Euro-Nationen deutlich erhöht.

Wie die Welt in ihrer Online-Ausgabe berichtet, beträgt der aktuelle Risikoaufschlag 155 Basispunkte. Ein äußerst hoher Wert, der zuletzt vor drei Jahren erreicht wurde. Damit muss der italienische Staat für zehnjährige Anleihen fast zwei Prozentpunkte mehr Zinsen zahlen als beispielsweise Deutschland. Auch die Wahrscheinlichkeit eines Staatsbankrott ist steigend: Akteure am Finanzmarkt beziffern das versicherbare Risiko, dass der Stiefelstaat in den nächsten fünf Jahren pleitegeht, mit knapp 14 Prozent.

Aktuell steht der südeuropäische Staat mit über 2,3 Billionen Euro in den Miesen. Das sind 133 Prozent seiner Wirtschaftsleistung und einer Pro-Kopf Verschuldung von 37.000 Euro. Zum Vergleich: im Wirtschaftsmotor der Europäischen Union, nämlich Deutschland, betragen die Schulden pro Bürger satte 14.000 Euro weniger.

Griechenland-Vergleich hinkt

Viele fühlen sich aufgrund der Schuldenkrise an Griechenland erinnert, doch die Probleme dürften noch um ein vielfaches schwerwiegender sein: Die Staatsverschuldung Italiens ist zwar ähnlich hoch wie jene der Hellenischen Republik, allerdings kann man davon ausgehen, dass Italien sich daran gewöhnt hat, mit der hohen Verschuldung zu leben und somit mehr Erfahrung im Hinauszögern eines Staatsbankrotts hat. Immerhin wurde bereits zu Beginn der Neunzigerjahre die Staatsschuldenquote von 100 Prozent überschritten.

Außerdem liegt in Italien der größte Anteil – nämlich zwei Drittel der Staatsschulden – in den Händen von Staatsangehörigen. Nur ein Drittel der Kredite wird indes von Nicht-Italienern gehalten, weshalb ein Crash fatale Folgen für den südeuropäischen Staat hätte.

Alle Zeichen stehen auf Austritt

Finanzexperten befürchten eine Verschlimmerung der Situation, wenn die Billiggeldpolitik der Europäischen Zentralbank in zwei Jahren ausläuft. Für viele ist mittlerweile klar: Sollten die Laufzeiten für italienische Anleihen nicht verlängert werden, ist der Euroaustritt oder die Umstellung auf Lira die unumgängliche Voraussetzung zur Lösung der Probleme. Ein Schritt, der von Oppositionsparteien, allen voran die 5-Sterne-Bewegung, gefordert wird. Diese führt in den Umfragen zu Parlamentswahlen, die womöglich bereits im kommenden Herbst stattfinden.

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  1. lowin
    06.06.2017

    Italiens Rückkehr zur Lira würde dem Land endlich die Lösung seiner Probleme ermöglichen. Ein Schritt, der von Oppositionsparteien, allen voran die 5-Sterne-Bewegung, gefordert wird.
    Statt aus Prestige Banken und Airline mit nicht vorhandenem Geld immer wieder vor der Insolvenz zu „Retten“.
    Italien kann dann, wie früher auch, einigermaßen Erfolgreich wirtschaften wenn durch die Abwertung der Lira die Innovationmüde und wenig effektive Wirtschaft via billigen Preise im Export endlich wieder zulegen kann.
    Das gleiche gilt übrigens für Griechenland und durchaus auch für Frankreich. Der Verlierer wäre Deutschland, deren Exporte in diese Länder würden sich erheblich verteuern.

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