von apa 01.06.2016 10:15 Uhr

Jihadisten-Prozess: Familie von Belastungszeugen bedroht

Im Grazer Straflandesgericht hat am Mittwoch ein Prozess aus dem Umfeld des Verfahrens gegen einen angeklagten Prediger und einen angeblichen früheren Kämpfer für den “Islamischen Staat” (IS) stattgefunden. Ein Mann wurde beschuldigt, der Familie des Hauptbelastungszeugen gegen den mutmaßlichen Kämpfer gedroht zu haben, damit der Zeuge seine Aussagen zurücknimmt.

APA

Das Verfahren gegen den Prediger Mirsad O. und einen Tschetschenen spielte auch für den Prozess gegen den 34-Jährigen, der wegen schwerer Nötigung, falscher Beweisaussage und Begünstigung angeklagt wurde, eine Rolle. Immerhin ist – oder war – er der beste Freund des Belastungszeugen, der ausgesagt hat, er habe den Tschetschenen bei Tötungshandlungen für den IS in Syrien gesehen. Der Hauptzeuge ist mittlerweile im Zeugenschutzprogramm und damit dem Zugriff von “Freunden” entzogen, die Familie offenbar nicht.

Der Angeklagte fühlte sich in keiner Weise schuldig. Er habe niemanden bedroht, sondern die Mutter seines Freundes nur warnen wollen, dass “die Leute über ihn reden, weil er andere beschuldigt”, erklärte er vor Gericht. Dass auch von Blutrache die Rede war, wies der Verteidiger entschieden zurück: “Blutrache gibt es nur für männliche Verwandte”, erklärte der Anwalt. “Das stimmt nicht”, warf die Richterin ein. Der Anwalt kündigte an, darüber ein Gutachten zu beantragen.

Auch eine der Frauen des Belastungszeugen – “er hat tausend Frauen gehabt”, meinte der Beschuldigte – soll eingeschüchtert worden sein. Der Angeklagte soll ein paar Männer zu ihr geschickt haben, damit sie ihren Mann von seinen Aussagen abbringt. “Das ist reine Mutmaßung, er ist zu dieser Zeit in Einzelhaft gesessen, wie hätte er das machen sollen?”, warf der Verteidiger ein.

Die Befragung des Angeklagten gestaltete sich als äußerst langwierig, da dieser sehr ausweichend antwortete. Am Abend wurde der Prozess vertagt.

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