Graz trauert um Opfer der Amokfahrt

Zwei Kinder befinden sich nach wie vor im LKH auf der Intensivstation, ihr Zustand sei aber stabil, hieß es seitens des Spitals. Der Großteil der Verletzten wurde ins Grazer LKH oder UKH gebracht, einige wurden im LKH West und im Krankenhaus der Elisabethinen versorgt, zwei Patienten wurden nach Klagenfurt und einer nach Oberwart im Burgenland geflogen.
Im Grazer Unfallkrankenhaus waren unter den aufgenommenen Verletzten neun Schwerverletzte, von denen zwei schwere Mehrfachverletzungen aufwiesen und sofort operiert werden mussten. Am Sonntag wurden dort alle Patienten als stabil bezeichnet.
Mikl-Leitner besuchte am Vormittag die Tatorte. „Die Grazer Innenstadt ist wie eine offene Wunde“, sagte sie sichtlich bewegt. Die Ministerin verharrte in Begleitung der steirischen und Grazer Polizeispitzen vor der Stadtpfarrkirche und der Bank in der Herrengasse, wo ein Kind und ein Frau ihr Leben verloren hatten, und legte zwei weiße Rosen nieder. Dann sprach die Ministerin mit Augenzeugen und einem Arzt, der wie viele andere in der Innenstadt unmittelbar nach der Amokfahrt den Opfern Erste Hilfe geleistet hatte.
Die Innenministerin ließ sich in der Polizeiinspektion Schmiedgasse in Graz die Festnahme des Täters schildern. Vor der Presse auf dem Hauptplatz sagte sie: „Es ist einfach unfassbar, was hier passiert ist. Es ist nicht entschuldbar“. Die Ministerin zeigte sich beeindruckt vom raschen Einsatz der Rettungskräfte. Amokläufe könne man nie zu hundert Prozent verhindern.
Wie bei dem Besuch Mikl-Leitners zudem bekannt wurde, hat sich der mutmaßliche Amokfahrer entgegen einiger Darstellungen vom Samstagnachmittag nicht freiwillig der Polizei gestellt. Polizisten holten ihn aus dem Wagen und nahmen ihn fest.
Der klinische Psychologe Salvatore Giacomuzzi geht von einer geplanten Tat aus. „Alleine die Tatsache, dass der Mann gezielt auf Passanten zuraste, sie verfolgte und immer wieder Menschen überfuhr, deutet darauf hin“, sagte er am Sonntag zur APA.
Der Innsbrucker Experte betonte, dass jegliche Schlüsse und Spekulationen, die derzeit über den Mann angestellt würden, lediglich auf der Basis der bisher bekannten Details – also dass der 26-Jährige nach einem Fall von Gewalt in der Familie weggewiesen wurde – gezogen werden können. Die Vorgehensweise des Mannes deute aber darauf hin, dass es sich um keine Schizophrenie oder Depression gehandelt habe. „In diesem Fall würde man sich eher zurück ziehen und um den Zusammenbruch der Familie trauern“, meinte er.
Die Stadt Graz hat ein Kondolenzbuch für die Opfer der Amokfahrt eines 26-Jährigen am Samstag in der Grazer Innenstadt aufgelegt. Gegen 12.30 Uhr am Sonntag waren bereits über 2.500 Einträge vorhanden, aus allen Bundesländern, aber auch aus Deutschland, China, aus der Schweiz, aus Schwedens Hauptstadt Stockholm oder aus dem australischen Brisbane.
Die Menschen wünschten Angehörigen und Betroffenen durch die Bank viel Kraft und drückten ihre Fassungslosigkeit über die Geschehnisse aus. Manche schrieben ein Gedicht ins Online-Buch. Ein Beitrag war auf Bulgarisch verfasst – Darina Kandulkova schrieb: „Aufrichtiges Beileid an die Familie des verstorbenen Kindes! Ich bete für euch alle, es gibt keinen stärkeren und untröstlichen Schmerz. Gott verzeih, unschuldige Seele … mit Respekt.“ Das Kondolenzbuch ist unter erreichbar.
Aufregung herrschte auf diversen Social Media-Kanälen wegen eines – mittlerweile geänderten – Facebook-Postings von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache. Ihm wird von zahlreichen Usern vorgeworfen, die Amokfahrt mit drei Toten und dutzenden Verletzten für politische Zwecke zu missbrauchen.
„Wahnsinnstat in Graz! Der Täter ist aus Bosnien. Ein religiös begründetes Attentat wird nicht ausgeschlossen!“, soll Strache laut im Netz kursierenden Screenshots gepostet haben. Heftige Diskussionen zwischen Strache-Fans und -Kritikern auf dessen Facebook-Seite waren die Folge. Dabei hatte die Polizei bereits am Samstag betont, dass bei der Tat „kein Zusammenhang mit Fanatismen“ bestehe und es sich um „eine Psychose mit Ausgang im Familienleben“ handle.
Empört war auch SK Sturm-Spieler Marko Stankovic, der in dem Posting „eine grundsätzliche Abneigung gegenüber Leuten mit ausländischer Herkunft“ ortete, wie er dem FPÖ-Chef schrieb: „Schämen Sie sich, Herr Strache, schämen Sie sich!!!“
Strache selbst rechtfertigte sich damit, lediglich Medienberichte wiedergegeben zu haben: „Achtung! Wer die Kronen Zeitung und deren Berichte zitiert, sich darauf beruft oder diese postet, wird von linken Medien bzw. meinen Gegnern als ‚Hetzer‘ beschimpft oder diffamiert“, meinte er am Sonntag via Facebook.






