Florian Stumfall

19.02.2021

„Wir schaffen das“

Man habe alles richtig gemacht, beteuert Bundeskanzlerin Angela Merkel und erläutert glasklar, auf welchem Weg ihre Regierungskunst Deutschland – und bei Bedarf Europa wie die Welt – aus der Corona-Falle führen werde. Nun ist man zwar daran gewöhnt, dass Politiker oft einmal ein angestrengtes Verhältnis zur Wirklichkeit entwickeln, doch diese Erklärung reicht in diesem Falle nicht. Weder macht irgendein Weltereignis dem Thema Corona auch nur im Entferntesten Konkurrenz, noch sollte man das Auffassungsvermögen der Kanzlerin gröblich unterschätzen. Wenn also nicht ihre Wahrnehmungsfähigkeit zu dieser erstaunlichen Fehleinschätzung und damit fehlerhaften Handhabung eines medizinischen Gegenstandes führt, so muss der Grund woanders liegen. Man tut gut daran, im Bereich der Psychologie und – eng damit verbunden – der politischen Ideologien zu suchen. Diese beiden nämlich sind es, die verursachen können, dass auch intelligente Menschen zu irrationalen Handlungen fähig werden.

Ich glaube, dass im Großen und Ganzen nichts schief gelaufen ist“: Angela Merkel am 2. Februar in der ARD-Sendung „Farbe bekennen“. Foto: screenshot/youtube

Im vorliegenden Fall haben wir es mit dem Wahn des Machbaren zu tun. Einblicke in das innerste Geschehen der Natur, die virtuose Beherrschung ihrer technischen Gesetze, Mondflug und Quantenphysik, die Technisierung der halben Welt samt Internet, digitaler Datenverarbeitung, künstlicher Intelligenz und Hochleistungscomputern haben weitum dazu geführt, dass der Mensch nicht mehr als ein fehlerhaftes Wesen, und mehr noch, ein Geschöpf gilt, sondern als der Herr über das Universum. Eine aufklärerische Glaubensfeindlichkeit hat dazu beigetragen, und nun wird verdrängt, dass es bis zur Allmacht doch noch sehr weit ist. Merkel selbst hat dieser Haltung überaus knapp und unmissverständlich Ausdruck gegeben: „Wir schaffen das.“

Der Kollaps ist absehbar

Nun – man schafft natürlich nichts, auch nicht auf dem Feld, für das das geflügelte Wort geprägt worden ist, dem der Integration von kulturfremden Zuwanderern. Der Versuch der Eingliederung scheitert in großem Umfang, Parallelgesellschaften entstehen, die nach eigenem Brauchtum und Gesetz leben und nicht im Entferntesten daran denken, sich den deutschen Verhältnissen anzugleichen. Warum denn auch, wenn man mancherorts schon fähig ist, sogar die Polizei aus okkupierten Stadtvierteln fernzuhalten?
Eine solche Entwicklung war nur möglich unter der Maßgabe einer Ideologie, die darauf ausgerichtet ist, die Rolle des deutschen Staatsvolkes – derer, die schon länger hier leben, wie die Kanzlerin sagt – bis zur Unkenntlichkeit zu mindern, damit Platz entstehe für eine noch nicht näher zu bezeichnende Misch-Gesellschaft. So erkennbar die ideologische Absicht ist, so klar ist auch ihr Scheitern und damit das des Wahns vom Machbaren.

Wider der Vernunft

Nicht anders bei der Energiewende nach grün-ideologischer Vorgabe. Die Physikerin Merkel, assistiert unter vielen anderen von der Grünen Annalena Baerbock, die Strom in der Leitung speichern möchte, lässt die Kernkraftwerke zusperren, streicht kurz drauf die Gewinnung von Strom aus Kohle und betreibt gleichzeitig die Verbreitung von Elektroautos. Rationale Erwägungen können dafür der Grund nicht sein. Es sind die ideologischpsychologischen Triebkräfte, welche die Politiker – denn Merkel ist es ja nicht allein – dazu bewegen, wider die Vernunft zu handeln, auch im Angesicht des absehbaren Scheiterns. Denn dieses Scheitern der Energiewende ist absehbar. Hier liegt der einzige Grund, warum die Bundesregierung gegen den Willen der USA an der Gasleitung aus Russland festhält, weil ohne diese Lieferungen der energiepolitische Offenbarungseid nur eine Frage von Monaten wäre.
„Wir schaffen das“, gilt auch und vor allem für die Klimapolitik. Auch hier ist der beherzte Angriff auf die Tatsachen zu beobachten, wenn mit der offiziellen Treibhaus-Theorie eine Annahme verfolgt wird, die eindeutig dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik widerspricht. Das ist ein Kampf gegen Windmühlen. So wird man wiederum nichts schaffen, außer dass sich die Politik mit dem Ziel, das Weltklima auf ein halbes Grad genau zu justieren, hart an den Rand der Lächerlichkeit begibt. Die apokalyptischen Drohungen, die überall lauern, sind denn auch dazu da, von dieser Lächerlichkeit abzulenken und jedes selbstständige Nachdenken im Keim zu ersticken.

Und der nächste Karneval auch

Der Wahn des Machbaren zeigt sich in subtiler Weise auch in der Finanzpolitik der EU wie der USA. Auch hier werden grundlegende, vielfach belegte wissenschaftliche Grundlagen beiseitegewischt, indem man jede Orientierung an dem Ziel der Geldwertstabilität vergisst. Es scheint, als würde dem Produzieren von Geld mehr Aufmerksamkeit gewidmet als demjenigen von Verbrauchsgütern. Nur – die am Computer generierten Billionensummen sind rein virtuell, es gibt sie nicht in der Wirklichkeit, weil sie keine Deckung haben. Wirklich sind sie nur auf der falschen Seite der Bilanz, wenn sie sich als Schulden niederschlagen. In der EU ist es bereits so weit gekommen, dass der Euro – der als Währung einen Wert darstellen sollte – seinerseits nicht nur keinen eigenen Wert mehr hat, sondern finanziert werden muss. Euro-Rettung heißt das und beschäftigt Riesenstäbe beim Europäischen Währungssystem (EWS). Auch hier ist der Kollaps abzusehen.
Man kann ihn sich nicht wünschen, denn er wird mit einer Katastrophe für viele Menschen einhergehen. Gleichwohl kann er eine reinigende Wirkung mit sich bringen. Denn alle Vorhaben des Wahns der Machbarkeit stehen unter dem scheu verschwiegenen Vorbehalt der Finanzierung – die Zuwanderung ebenso wie die Energiewende oder die Klimapolitik und anderes auch. Also wird, um dem Wahn weiterhin in parareligiöser Inbrunst zu huldigen, Geld in die Welt gestreut wie einst beim Kölner Karneval das Konfetti auf die Narren. Nach einem Kollaps könnte das wieder anders werden. Und es gäbe wieder einen Karneval.

Kolumne von Dr. Florian Stumfall
Erstveröffentlichung PAZ (redaktion@preussische-allgemeine.de)

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