Ein Blog von

Georg Dekas

19.10.2018

Was macht der denn da?

Auf die Gefahr hin, einer Fernsehsendung, die Wenige gesehen haben dürften, Bekanntheit zu verschaffen, muss doch ein Wort gesagt werden, was sich der ORF leistet.

„Inside Südtirol“, ORF III, 22.25 Uhr, Donnerstag, 18. Oktober 2018. Roland Adrowitzer begrüßt die Gäste in einer Sprechrunde zu den bevorstehenden Landtagswahlen in Südtirol. Wo? Auf Steuerzahlers Schloss Sigmundskron, in Reinhold Messners Bergmuseum. Wird der Messner wohl nicht wieder…? Nein, er tritt nicht auf. Aber was hat sich der Adrowitzer da einfallen lassen? Neben ihm sitzen Arno Kompatscher, der Köllensperger Paul und die Ulli Mair von den Freiheitlichen. Das wars auch schon von den aktiven Politikern und Kandidaten. Keine Grünen, keine Südtiroler Freiheit, kein Rest.

Dafür haben wir einen Beamten des Landes in der Runde, Luigi Spagnolli, früherer Bürgermeister der Stadt Bozen, ein PD-Mann, und – man staune – Siegfried Giuliani, der ORF-Spezi von Adrowitzer und langjähriger Chef der Bundessendung „Südtirol heute“. Was machen denn die beiden da?

Soll der 2. ORF-Mann vielleicht als unparteiischer Beobachter etwas Analyse einbringen? Giuliani bekommt die erste Frage zugeworfen. Und legt vom Leder. Alle würden nur vom Doppelpass reden, schimpft er, “den braucht niemand…“, kurz, ein Blödsinn. Adrowitzer unterbricht: „Dazu kommen wir noch.“ Adrowitzer will vorher noch das Feigenblatt Wahlkampf aufziehen. Spätestens als Spagnolli in recht nettem Trentiner Deutsch den Doppelpass reitet, wird klar, was die Regie vorhat. Und warum das Ding auf “Messners Schloss” stattfinden darf. Und warum Adrowitzer Ulli Mair gezielt auf ihr Privatleben anspricht (sie sei mit einem Italiener liiert, heißt es). Entsprechend handzahm antwortet die Lady. Eifrig zustimmendes Nicken von Arno Kompatscher. Feuerherz für Volkstum war gestern.

Alle sind für das friedliche Zusammenleben, keiner will spalten, Südtirol soll da bleiben wo es ist, es gibt andere Probleme. Es war insgesamt eine nette Runde, die drei Südtiroler Politiker machten keine schlechte Figur, und auch dem Spagnolli konnte man etwas abgewinnen, als er sagte, er würde den Doppelpass beantragen, weil sein Urgroßvater für den Kaiser gekämpft hatte. Doch am Ende bleibt ein fader Nachgeschmack von Propaganda. Wenn der ORF schon Politik machen will, dann soll er dem Giuliani eine Meinungskolumne geben und fett drunter schreiben „Kommentar“, anstatt ihn unter Wahlkämpfer zu schmuggeln, den Doppelpass zur Schnecke machen lassen und dann das Ganze dem werten Wiener Publikum als „Information und Kultur“ (Schlagwort von ORF III) andrehen.

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