Redaktion UT24

02.12.2016

SVP zitiert Magnago – eine dreiste Verfälschung

„Ein Nein, auch wenn es in gutem Glauben gegeben wird, ist für mich ein verhängnisvoller Fehler zum Schaden unserer Heimat. Davon bin ich überzeugt, und von dieser großen und echten Überzeugung wurde ich heute getragen, und deswegen ersuche ich Sie, Ihre Zustimmung zu geben“ – Silvius Magnago, Paketschlag 1969.

Foto: SVP-Wahlwerbung

Von Dr. Hans Benedikter

Als Verfasser eines Buches über das Leben und Wirken des großen Landeshauptmannes Silvius Magnago, das von ihm persönlich autorisiert wurde, hat er – unabhängig von den Parteigremien – viele lange Gespräche mit mir geführt. Er hat mir dabei manches anvertraut.

So auch seine tiefe Sorge wegen der “Aufgabe von Prinzipien” der SVP. Der “Vater des Pakets” sah durch gewisse “Aufweichungs-Erscheinungen”, so auf dem Gebiet der Schule und Sprache, sein politisches Lebenswerk bedroht. Wörtlich sagte er gegenüber den Dolomiten am 23. November 2001: “Ich möchte nicht, dass die vielen Opfer, die ich für Südtirol gebracht habe, umsonst waren…”.

SVP längst vom Kurs Magnagos abgewichen

Ihn nun sozusagen als Kronzeugen für ein “Ja” zu präsentieren, wie dies die SVP leider tat, ist daher eine dreiste Verfälschung. Nicht nur, weil sich die SVP in wichtigen Bereichen längst schon von seinem Kurs , von unantastbaren volkstumspolitischen Werten, entfernt hat. Auch deshalb ist die Berufung auf ihn so fragwürdig, weil die SVP-Führung von heute eine Äußerung Magnagos vor der “Paket-Schlacht” von Meran zitierte. Doch der falsche Vergleich mit der bevorstehenden Abstimmung über das Verfassungs-Referendum hinkt schon, bevor er ins Ziel kommt.

Beim Paket faire demokratische Auseinandersetzung
Heute nur ausgrenzende Propaganda mit allen Machtmitteln

Denn zum Unterschied von jetzt wurde damals in der “Sammelpartei” – die heute weitgehend nur mehr als Worthülse dient – fair und demokratisch gekämpft. In jeder Gemeinde trat ein Befürworter und ein Gegner des “Pakets” auf. Es handelte sich um eine Sternstunde der Südtiroler Demokratie, die vom “Mann des Jahrhunderts” unseres Landes geprägt und mitvollzogen wurde. Magnago war für die große Zahl der NEIN-Stimmen in Meran vom 22. November 1969, nicht nur rückblickend “dankbar”. Denn dadurch habe man, so sagte er, in Rom mehr erreichen können. Dies hat er sogar mehrmals ausdrücklich betont. Heute greift man die Befürworter des Nein, die dies aus guten Gründen und mit noch besseren Argumenten tun, nicht selten gehässig an.

Römischer Zentralismus war für Magnago immer eine Gefahr

Daß Magnago den römischen Zentralismus stets als größte Gefahr für unser Land und die deutsch- und ladinisch-sprachige Minderheit in Italien sah, ist bekannt.  Dieser prägt nun Renzis Verfassungsreform vom Anfang bis zum Ende und bedroht unsere schwer erkämpfte Autonomie. Wie hätte sich wohl Magnago dazu geäußert?

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  1. Puschtra
    02.12.2016

    Schon vor zwanzig Jahren haben ich mitbekommen, dass die SVP nicht mehr die Partei ist, wie Sie Magnago führte,
    deshalb haben Sie auch nie mehr meine Stimme bekommen, und auch in Zukunft nicht, klar werde
    ich mit NEIN abstimmen bzws ankreuzen.

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