Ein Blog von

Georg Dekas

05.02.2019

“Rassistenscheiße”

Salto’s neue Kampagne gegen rechts

Kuh Europa, Foto GD/UT24

Im Linksportal „Salto.bz“ herrscht Putzwut. Läuse werden geortet. Dem „Unrat“ wird der „kurze Prozess“ gemacht, „Rassistenscheiße“ wird „ratzeputz“ entfernt, „Raus, sofort!“ Um was geht es? Um das „Reden mit Rechten“ (Kienzl), um den „dumpfen Nationalismus“ (Franceschini), der sich auf den Seiten der Edlen ausbreitet. „Im Keim ersticken“ (Kommentator Hanser) wollen sie die Brut der Fremdenfeinde, welche die Menschen im Mittelmeer ertrinken lassen. „Raus aus meiner Timeline!“ (Kienzl), Schluss mit den Kommentaren von „Vollidioten“ (Franceschini).

Wären es nicht die Guten, die da reden, könnte man meinen, es stünde eine Säuberung nach Art des Genossen Josef Dschugaschwili, vulgo Stalin, an. Oder es richteten sich sämtliche Kammerjäger Bozens auf eine Jagd nach Seuchen verbreitendem Ungeziefer ein. Selbstverständlich sind das böswillige Phantasien, auch wenn es gerade die Linken sind, die meinen, „an ihrer Sprache sollt ihr sie erkennen“. In Wirklichkeit wollen sich die Guten nur vor dem Bösen schützen. Dass eine Salto-Kolumnistin ihren Facebook-Account um der eigenen Deutungshoheit willen „sauber“ halten will (Was macht sie dort überhaupt?), das ist ja noch verständlich. Ist ja eine private Angelegenheit. Leider ist bei den Salongenossinnen (Männer sind mitgemeint) auch das Private politisch. Und so wundert es nicht, wenn aus dem Ekel vor dem rechten Ungeziefer alsbald ein heroisch-hochmoralisches Gegenprogramm wird.

„In Not geratene Menschen aus dem Mittelmeer retten, gebietet die Menschlichkeit“, tönt Kienzl, und lässt außer Acht, dass es in der Sache weder um zu unterlassende Hilfeleistungen noch um Menschenrechte geht, sondern einzig darum, das verbrecherische und menschenverachtende Schleppergeschäft wirksam zu unterbinden oder eben nicht. Der Kommentator Hans Hanser sieht es im Gleichklang als „unsere Bürgerpflicht“ an, „jedwede Form von Nationalismus, Faschismus, Xenophobie und Menschenverachtung in all ihren Facetten, Ausschmückungen oder Teilrepliken … im Keim zu ersticken“ und sagt im gleichen Gedankenzug, „die demokratisch anerkannten Rechtsstaaten, die wir heute in Europa haben“, seien „der Garant für unsere Existenz“. Abgesehen von der “Rechts-” abenteuerlichen sprachlichen Konstruktion scheint der Herr zu meinen, dass die bestehenden (National-)Staaten Europas einen unantastbaren, geschlossenen Verein bilden müssten – untrennbar verbunden mit Nato sowie freiem Kapital- und Personenverkehr. Wehe dem, der die Ordnung dieses Status Quo auch nur gedanklich in Frage stellt! (…muss sich zur Strafe hundert Mal den Film „Schindlers Liste“ anschauen, siehe Post).

Passend dazu findet Salto-Chef Franceschini, der drohenden „EU-Feindlichkeit“ – „auch bei uns“ – müsse man „etwas entgegensetzen“. Er habe mehrere „aufgeschlossene“ “Südtiroler Unternehmer*Innen” gefunden, die eine Kampagne finanzierten, die jungen Leuten „das Gebilde EU“ „konkret“ näherbringen solle. Franceschini deklariert offen: Es sei eine Kampagne zu den Europa-Wahlen (die neunte Direktwahl zum Europäischen Parlament, die vom 23. bis 26. Mai 2019 in den Mitgliedstaaten der EU stattfindet), von der er fürchtet, jeder dritte Sitz könnte an nationalistische, xenophobe Anti-EU-Kräfte gehen. Er möchte das „größte bisher in der Menschheitsgeschichte umgesetzte Friedensprojekt“ retten (tz, tz,  als wären Hoffnungen schon Tatsachen). Im Hintergrund werden Arno Kompatscher und Herbert Dorfmann wohlwollend nicken.

Nun, der propagandistische und hypermoralische Ansatz der bilinguischen Hofschreiber aus .bz bringt uns patriotisch eingestellte Europafreunde ins Grübeln. Meinen die wirklich, man könne eine neue Europa-Begeisterung entfachen, wenn man das „EU-Gebilde“ mit einer Artikelserie anpreist? Also gar nicht „konkret“, wie angekündigt, sondern vielmehr intellektuell? Meinen die wirklich, den Leuten fehle es an Wissen über das „Gebilde“ EU? Haben die auch nur die leiseste Ahnung davon, dass ein Verbund nur so stark ist wie das schwächste seiner Glieder? Und dass es das Sich-Zuhause-Fühlen der Bürger ist, welches über die Stärke eines jeden einzelnen Staates in diesem Verbund namens Europa entscheidet?

Der einzige tatsachenbezogene Satz, den Franceschini in seinem Editorial schreibt, ist: „Das Problem der Migration hat die Wirkung einer Streubombe auf die europäische Staatengemeinschaft und entfesselt Zentrifugalkräfte, die kaum mehr zu bändigen sind.“ Vielleicht sollten die Anti-Patrioten von „Salto.bz“ einmal nüchtern darüber nachdenken, wie solche Kräfte tatsächlich entstehen und wer oder was sie hoch schaukelt. Oder ist alles damit erklärt, dass jeder dritte Bürger Europas über Nacht vom dösenden, braven Euro-Schaf zur lästigen, gar vertilgungswürdigen „Laus“ geworden ist?

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