Gastbeitrag von

Pius Leitner

17.02.2022

Nachruf auf Siegfried Unterkircher

Am Montagabend, den 31. Jänner 2022 ist Siegfried Unterkircher (61), langjähriger Redakteur bei „UnserTirol24“ verstorben. Pius Leitner hat einen Nachruf auf ihn verfasst.

Siegfried Unterkircher - langjähriger Mitarbeiter bei „UnserTirol24“

Siegfried „Siegi“ Unterkircher wurde am 22. August 1960 als zweiter Sohn von Josef und Anna Unterkircher geboren. Die Eltern waren einfache, rechtschaffene und herzensgute Leute. Seinen etwas älteren Bruder hatte er nie kennengelernt, denn dieser verstarb im zarten Alter von zwei Jahren, als er in einem kleinen Abzugsgraben ertrank. Eine Tragödie, welche die Familie ein Leben lang begleitete.

An der Liebe und Zuneigung seiner Eltern fehlte es Siegi nie. Diese Liebe gab er ihnen reichlich zurück. Er wuchs jedoch in Armut auf und litt sehr darunter. Dazu erzählte er manchmal prägende Episoden:

  • dass er für die Schule Wasserfarben gebraucht hätte und die Mutter ihm zur Antwort geben musste „Tuat mir load Bua, i konn si dir nit kafn. I hon as Geld nit“;
  • oder dass die Familie zu Weihnachten ein Paket von der Caritas erhielt, wofür sich Siegi sehr schämte;
  • oder dass er zu seiner ersten „richtigen“ Arbeitsstelle in den Hosen des Weißen Kreuzes erschien – einfach, weil er kein anderes Paar Hosen besaß.

Bestimmt waren es genau solche Begebenheiten, die ihn später aufrecht durchs Leben gehen und die ihn anderen gegenüber großzügig sein ließen. Siegi war ein besonderer Mensch mit Ecken und Kanten und er war dann und wann nicht unbedingt pflegeleicht. Da war einerseits seine Offenheit und seine direkte Art, andererseits der Schalk, der ihm im Nacken saß. Nie schreckte er davor zurück, seine Meinung zu sagen, auch nicht, wenn sie unbequem war und er mit seinem Denken aneckte. Neben seinen Eigenheiten hatte er vor allem ein großes Herz. Es ist bewundernswert, wie er gerade auch letzthin anderen Menschen Mut machte, obwohl er selber Probleme genug hatte. Seine Krankheit nahm er an und überspielte sie uns Freunden gegenüber mit seiner ihm eigenen Art. Unvergessen bleiben seine Leserbriefe und seine Nachrufe für Verstorbene, die er in seinem eigenen, ganz persönlichen Stil gekonnt verfasste.

Eine weitere, oft gehörte Erzählung aus Siegis Kindheit dürfte ihn ebenfalls geprägt haben: Als kleiner Bub hatte er sich nichts sehnlicher gewünscht, als eine kleine Schubkarre und ein Schäufelchen. Er traute sich nicht, diesen Wunsch laut zu äußern, wusste er doch von den finanziellen Nöten seiner Eltern. Und doch stellte er sich diese für ihn unerreichbar scheinenden Spielsachen immer und immer wieder vor bis irgendwann tatsächlich das kleine „Wunder“ geschah: Er erhielt genau so eine Schubkarre und das Schäufelchen, das er sich gewünscht und vorgestellt hatte.

In beruflichen Belangen handelte Siegi in seinem späteren Leben genau so: Er stellte sich ein Ziel vor, arbeitete hart daran – und erreichte es dann so gut wie immer. Aus dem schlaksigen Jungen aus ärmlichen Verhältnissen, der in den Weiße-Kreuz-Hosen beim Sender TVS zur Arbeit erschien, wurde ein äußerst erfolgreicher Marketing-Fachberater, der 26 Jahre lang bei der Firma OP-Werbung arbeitete und im Hotel- und Gastgewerbe weitum bekannt war.

In späteren Jahren machte er sich selbstständig und lebte unter anderem seine Leidenschaften fürs Fotografieren und fürs Schreiben als Redakteur des Online-Portals UT24 aus. In diesen Tätigkeiten kam auch die Liebe zu seiner Heimat Tirol, insbesondere zu Südtirol, zum Ausdruck. In Wort und Bild, mit der Liebe zum Detail, hielt er Land und Leute fest und zog Menschen in seinen Bann.

Gespräche mit Freunden waren ihm wichtig; dabei ging es manchmal recht lustig, manchmal recht lebhaft zu, zu guter letzt waren sie für alle ein Gewinn.

Siegis ganzer Stolz waren seine beiden Kinder, die er zusammen mit Petra Oberhofer hatte: Anna Lena (geboren 2003) und Hannes (geboren 2006). Er war ein fürsorglicher Vater und stets auf das Wohl seiner Familie bedacht.

Das Wohl anderer war Siegi ebenfalls wichtig. So engagierte er sich in der Gemeindepolitik – er war mehrere Jahre Gemeinderat in Eppan -, er arbeitete zehn Jahre seines Lebens ehrenamtlich beim Weißen Kreuz; zuerst als Fahrer, dann als Sanitäter. Er sah dort viel Leid und erlebte entsetzliche Schicksale. Siegi litt mit den Verletzten und Kranken, ganz besonders, wenn es sich dabei um Kinder handelte. Durch seinen Dienst konnte er aber auch vielen Menschen helfen.

Lieber Siegi,

fröhlich waren die Tage mit dir, hilfreich dein Rat und Einsatz, stets fleißig deine Hände, schmerzlich dein Leiden, bewundernswert jedoch das Tragen deines Schicksals, tröstlich dein Heimgang, unvergessen bleibt die Erinnerung an dich.

Danke für all das Gute, das du in deinem Leben gewirkt hast. Die Erinnerung daran möge vor allem deinen Lieben Kraft und Zuversicht geben. Möge dein letzter Weg unbeschwert sein und dich ins Licht führen.

Einen letzten Gedanken hat der liebe Verstorbene seiner Familie schriftlich zurückgelassen. Mit demselben möchte ich diesen Nachruf abschließen:

„Vergesst nie, dass es viel Armut, Ungerechtigkeiten und Unmenschlichkeit auf dieser Welt gibt. Habt ein Herz dafür!“

Tramin, am 5. Februar 2022

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