Florian Stumfall

09.07.2020

Moralkeule gegen Europäer

Der Tod des US-Bürgers George Floyd hat eine internationale Empörung ausgelöst. Das ist umso erstaunlicher, als es die Pflicht zur Wahrheit gebietet zu sagen, dass derartige brutale Übergriffe, oft mit Todesfolge, vorwiegend gegen schwarze Bürger durch die Polizei in den USA allzu oft geschehen, zeitweise wöchentlich. Auch seit dem Tod Floyds ist es wieder dazu gekommen, ohne jedoch zu einer ähnlichen Reaktion zu führen.

Tausende bei Anti-Rassismus-Demo in Brüssel - APA (AFP)

Dieses Missverhältnis legt die Vermutung nahe, dass der Aufschrei weniger der Person George Floyd als vielmehr dem Zweck dient, dieses Beispiel zu einer weitaus größeren Abrechnung mit dem Staat, seinen Voraussetzungen, Regeln und Zielen zu halten. Das gilt für die USA ebenso wie für die Länder in Europa, in denen sich eine demonstrationsgeübte Masse gebärdet, als ginge es ums eigene Leben.

Dass die Person Floyd dabei tatsächlich nur als Anlass dient, ist daran zu erkennen, dass die Debatte bereits beim Thema Sklaverei angelangt ist, das in den westlichen Kulturen eigentlich längst der Vergangenheit angehört. Es wird aber mit einer derartigen Verve behandelt, als stünden auf den Marktplätzen Europas immer noch die Menschenhändler, um ihr widerliches Geschäft zu betreiben.

Die hochnotpeinliche Erwähnung der Sklaverei dient natürlich als Angriffswaffe ausschließlich gegen die westliche Wirklichkeit, auch wenn sie auf diese Weise ins Leere zielt. Dennoch soll der Eindruck erweckt werden, die Sklaverei wäre eine europäische Erscheinung und ebenso ausschließlich seien Schwarzafrikaner die Opfer. Dabei gab es die Sklaverei in Afrika schon lange, bevor dort die Europäer auftauchten, und zwar bei den eingeborenen afrikanischen Völkern untereinander. Später, als der Handel mit Menschen nach Amerika von den Europäern aufgenommen wurde, beteiligten sich oftmals schwarze Machthaber daran, indem sie unliebsame Nachbarn und Konkurrenten an die Händler auslieferten.

Europa steht mitten in einem Kulturkampf

Doch der neue Vorwurf der Sklaverei soll offenbar über Europa und die europäisch geprägten Länder in Übersee verhängt werden, um einen moralischen Druck auszuüben. Erlittenes Unrecht verleiht Macht – die Judenverfolgung der Nationalsozialisten verursacht heute noch eine Einschränkung der politischen Handlungsfreiheit Deutschlands Israel gegenüber.

Zudem ist der Sklaverei-Vorwurf unehrlich. Sonst müssten auch die Araber darin einbezogen werden, die jahrhundertelang den Mittelmeerraum als Jagdgründe für weiße Sklaven betrachteten und die ihre Ausgriffe bis nach Island ausdehnten.
Die Sklaverei ist in Saudi-Arabien und den Golf-Emiraten heute noch grausige Wirklichkeit. Vor allem aus dem Sudan werden die Menschen an den Golf verschleppt, und keine Institution, kein Menschenrechtler, keine Religionsgemeinschaft und kein Gutmensch kümmern sich darum. Warum auch? Die Vorwürfe gelten Europa und seiner Kultur, und die Araber gehören nicht dazu. Tatsächlich sind es herausgehobene Fälle wie derjenige des George Floyd, die, medial gekonnt aufbereitet und mit der ganzen Raffinesse propagandistischer Strategie versehen, eine Bewegung ins Leben rufen. Europa steht mitten in einem Kulturkampf. In den Straßen und auf den Plätzen der Städte toben die Massen. Sogar Emmanuel Macron, als französischer Präsident mehr noch als dem Wohl seines Landes, dessen Reputation und Selbstbewusstsein verpflichtet, hat eingestanden, dass sein Land „tief gespalten“ sei.

Woher kann Rassismus kommen, wenn es keine Rassen gibt?

Eine neue Bestimmung in Berlin macht die strafrechtliche Verfolgung kulturfremder Gruppen so gut wie unmöglich. Sobald diese den Vorwurf des Rassismus erheben, gerät die Staatsmacht zumindest in die Defensive, wenn nicht gar auf die Anklagebank. Natürlich ist der Rassismus-Topos ein Zwilling des Begriffs „Sklaverei“. Die Vereinten Nationen haben für wahr befunden, dass es keine menschlichen Rassen gebe, auch wenn jedes einschlägige Labor anhand eines Blutstropfens die ethnische Zugehörigkeit der betreffenden Person feststellen kann. Woher aber – diese Frage drängt sich auf – kann ein Rassismus kommen, wenn es keine Rassen gibt? Die UN hätten mit derselben Wirkung die vier Grundrechenarten ächten können. Logik ist in diesem Zusammenhang aber allenfalls störend, jedenfalls unwichtig. Es geht nämlich ausschließlich darum, der europäischen Kultur oder dem, was bis heute davon geblieben ist, Schaden zuzufügen. Dieses Ziel aber wurde nicht nur von außen gesetzt, sondern ebenso von innen. So geraten alle ihre Bestandteile in Bedrängnis. Zu diesen gehören das Bekenntnis zur einzelnen Person als Träger von Recht und Wert und Würde, das daraus folgende Recht auf Freiheit, das, wie man hat sehen können, mit einem schlichten Hinweis auf ein Virus außer Kraft hat gesetzt werden können, ohne dass darüber ein Unmut laut geworden wäre.

Grundlagen für Freiheit und Gleichheit gefährdet

Eine der wichtigsten Säulen der Ordnung dieses Kontinents wird durch die Gender-Theorie angegriffen. Wenn es keinen Unterschied zwischen Mann und Frau mehr geben darf, weichen die Grundfesten der Familie auf und mit ihnen diejenigen des Staates. Der frühere Verfassungsrichter Udo Di Fabio schreibt in seiner vorzüglichen analytischen Betrachtung „Die Kultur der Freiheit“: „Im Inneren der westlichen Gesellschaften ist längst zu besichtigen, dass die im Namen von individueller Freiheit und von Gleichheit geführte aggressive Kritik gegen Tradition, geschichtliches Selbstverständnis, überlieferte Kulturleistungen, auch gegen manche festen Einsichten der Alltagsvernunft und die in Institutionen gespeicherte Lebensweisheit massiv die Grundlagen für Freiheit und Gleichheit gefährdet.“

Im selben Sinne spricht der Historiker und Autor Douglas Murray, wenn er im Buch „Der Selbstmord Europas“ schreibt, Europa glaube kein Recht auf ein Weiterleben in der heutigen Form zu haben. Doch was Murray hier „Europa“ nennt, das eine solche Meinung vertrete, so trifft das nur für einen Teil zu. Dieser besteht als alter und neuer Linker, die grüne Bewegung eingeschlossen, Sektierern, Chaoten, Anarchisten und anderen, Hauptsache, sie sind Fanatiker. Sie alle gründen fest in der 68er-Bewegung. Der andere, so angegriffene Teil Europas, das heißt seiner Bewohner, ist still, weil nicht organisiert. Und das ist eine sträfliche Schwäche.

Kolumne von Dr. Florian Stumfall
Erstveröffentlichung PAZ (redaktion@preussische-allgemeine.de)

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  1. Puschtra
    09.07.2020

    Gibt es nur “Weissen Rassimus gegen Scharze” oder auch umgekehrt, also wenn das nicht “Rassismus , was dann”?
    Eine Reihe von „Black Lives Matter“ (BLM)-Vertretern, unter anderem die Gründerin von BLM-Toronto, Yusra Khogali,

    haben sich sowohl in der Vergangenheit als auch aktuell massiv gewaltverherrlichend und dezidiert rassistisch geäußert.
    Trotzdem wird BLM in unseren Medien als geradezu „friedfertig“ und vielmehr als Gegner von Rassismus dargestellt.

    2015 äußerte sie auf Facebook, dass Menschen mit weißer Hautfarbe „genetisch defekt“
    und „subhuman“ wären und sie sich deren „Auslöschung“ wünsche.

    „Bitte Allah, gib mir die Kraft diese Männer und Weißen heute nicht zu verfluchen/töten. Bitte, bitte, bitte.“

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