Ein Blog von

Georg Dekas

17.09.2019

Hinterhalt auf Hulk

Mitte September 2019 gibt es zwei (Medien-)Ereignisse, die auf Hulk und Hinterhalt passen.

The Incredible Hulk Foto: Pixabay/ed_davad

„Hinterhalt“, so nannte der englische Kanzler Boris Johnson die Pressefalle, die ihm am 16. bei seinem Besuch in Luxemburg gestellt worden war. Johnson – der sich mit einem Comic-Held, dem unglaublichen „Hulk“, vergleicht – sollte nach dem Treffen mit EU-Juncker vor der Presse eine Stellungnahme abgeben, zusammen mit dem Luxemburger Amtskollegen Xavier Bettel. Nein, nicht im Pressezentrum, sondern im Freien vor dem Geschrei eines (bestellten?) Mobs von kontinentalen Brexit-Gegnern. Boris Johnson lehnte ab. So stellte sich der Premier des kleinen Gastlandes allein vor die Menge und ließ hochmütig seinen Frust über die störrischen Briten ab. In Great Britain war man gar nicht amused. Es war ein echter „ambush“, ein Hinterhalt. Doch mit seinem freundlichen Verzicht aufs Vorgeführtwerden gelang es Boris Johnson aufzuzeigen, wie raffiniert inzwischen das Zusammenspiel von Medien und Politik ist, um durch grobe Manipulation die gewünschte Wirkung bei der Masse zu erzielen.

Auch das zweite Medienereignis hat mit Manipulation und Verteufelung zu tun. Es weist beträchtliche Parallelen zu „Hulk“ Boris Johnson auf, nur dass in diesem Falle der „Hulk“ Höcke heißt, Björn Höcke. Das Zweite Deutsche Fernsehen hatte sich bei diesem zu einem Interview angemeldet. Es sollte um die thüringische Landeswahl gehen: Ein Gespräch mit dem Spitzenmann der AfD Thüringens für die Sendung „Berlin Direkt“. Nach 11 Minuten aber brachen der Pressemann der AfD und Landeschef Höcke das Interview ab. Höckes Begründung: „Das ist nicht redlich“. Es war in der Tat kein Interview, sondern ein hochnotpeinliches Verhör im Stil der allerheiligsten Inquisition. Anstatt den Ball flach zu halten, motzte der Staatsfunk. Stellte groß heraus, dass AfD-Spitzenmann Höcke nicht einmal die Nerven für ein gewöhnliches Interview hätte. Deutete mit erhobenem Zeigefinger ein Fehlverhalten des Politikers an und ließ verkünden, dass das „komplette“ Interview in der ZDF-Mediathek zu sehen und zu hören sei. So, als würde “Hulk” Höcke eines Verbrechens überführt.

Und was sehen wir in diesem Video? Aus dem Off die dünne Stimme eines „Journalisten“, der weder mit Gesicht noch namentlich in Erscheinung tritt. Die anonyme Stimme versucht, den nach Verhör-Art in permanenter Nahaufnahme gefilmten Höcke auf Nazisprech festzunageln. Zehn lange Minuten versucht Björn Höcke geduldig, nicht hereinzufallen auf die mit großem Aufwand produzierten Glatteis-Anspielungen (eine “Umfrage” unter AfD-Landtagskollegen mit durchschaubaren Suggestiv-Fragen). Zehn Minuten lang nix Thüringen, nix Parteiprogramm, nur aus Höcke Hitler machen, und das mit der Brechstange.

Die AfD-Mannen sind frustriert, verweisen auf die Unangemessenheit zwischen Vorhaben und Umsetzung, bitten um einen Neuanfang. Niemals, antwortet das Medium. Und glaubt, einen gewählten Vertreter des Volkes mit dessen außerhalb des Interviews getätigten Aussagen („Sie werden von mir nie mehr ein Interview bekommen“) noch mehr und noch besser vorführen zu können, ganz nach dem Motto: Der Souverän ist die EU, und das öffentlich rechtliche Fernsehen ist die Macht mit der Macht. Deshalb das volle “Interview” (das keines mehr ist).

Der englische „Hulk“ hatte den Hinterhalt früh genug gerochen, der deutsche „Hulk“ hat das öffentlich rechthabende Drängeln zu spät erkannt. Doch die Pharisäer mögen es sich gesagt sein lassen: Manipulation und intellektuelle Nötigung fallen leicht auf jene zurück, die damit arbeiten. Schon viele herrschende Dogmen wurden ebenso unlauter verteidigt und wurden am Ende gestürzt: Weil die Menschen, angewidert vom falschen Spiel, sich abwenden.

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