Blog-Gugger

19.07.2018

Der 5-Sterne-Job

Erinnert Ihr Euch an eine gewisse Francesca Puglisi? Die Freundin eines Freundes, die für 75.000 Euro von der Südtiroler Landesverwaltung engagiert worden ist, um die Südtirol-Berichterstattung italienischer Medien etwas „freundlicher“ zu machen? Und der das zu wenig war? (Wer weiß denn schon, was ihr dieser Job alles abverlangt?) Was haben wir uns nicht aufgeregt! Aber jetzt kommt die nette Geschichte von Assia. Das ist die neue persönliche Sekretärin von 5-Sterne-Chef und „Vizekanzler“ Luigi Di Maio in Rom.

Symbolbild

„Il Giornale“ erzählt sie für uns: Von „uno vale uno“ („einer gilt einer“) zu „qualcuno vale 70mila euro“ („irgendeiner gilt 70tausend Euro“): die Laufbahn der 5-Sterne von der Bewegung zur gewöhnlichen Kaste geht weiter”. Es geht um die Anstellung der 26jährigen Assia Montanino als persönliche Sekretärin im Ministeramt von Luigi Di Maio. “Sie kommt aus derselben Stadt wie er und hat im Curriculum die nicht geschaffte Wahl in den Gemeinderat stehen“, schreibt „Il Giornale“ sarkastisch in der Einleitung.

Und nun macht das Berlusconi-Blatt eine gnadenlose Serie von Vergleichen mit den Gehältern anderer Berufskategorien, welche die 72.000 Euro brutto der Politiker-Sekretärin  als ziemlich einzigartig dastehen lassen.

Die Vergleiche sind aber nicht nur in Bezug auf den Fall Puglisi interessant für Südtirol, sondern auch für die Südtiroler selbst – denn wenn sie die folgenden Gehaltszahlen lesen, die „Il Giornale“ recherchiert hat, dann verblasst die ganze Jammerei um zu geringe Löhne und Gehälter im reichen Südtirol. Es wird aber auch und wieder einmal erschreckend klar, wie wenig wir mit den Verhältnissen im Stiefel zu tun haben – und zu tun haben sollten!

Hier einige Zeilen aus der Mailänder Zeitung in der Übersetzung:

“Ein Chirurg, der im Spital anfängt, kommt nicht einmal auf 38.000 Euro brutto Jahresgehalt … und 75.000 verdient ein Primar als Führungskraft. Der Einstieg als Direktionssekretärin in einem Unternehmen hätte der persönlichen Sekretärin von Minister Di Maio höchstens ein Drittel ihrer Gage gebracht, nämlich etwas zwischen 18- bis 25.000 Euro.

Das Glück der jungen Assia (26) wird auch deutlich im Vergleich zur entsprechenden Position im Staatsdienst, nämlich der Leitung des Sekretariates einer Direktionsabteilung, die im Durchschnitt mit 58.400 Euro abgegolten wird, aber eine ganz andere Dienstlaufbahn voraussetzt. Das wären immer noch 15.000 Euro weniger.

Der Vergleich mit anderen Berufsgruppen fällt noch weit unbarmherziger aus und zeigt, wie das Bekanntsein mit einem Politiker die eigene Berufslaufbahn weit über alle Horizonte befördern kann, was anderen, die über keine solchen Beziehungen verfügen, verwehrt bleibt.

Ein Rechtsanwalt – das ist einer der Berufe, die in letzter Zeit am meisten entwertet wurde – darf sich bis zum 30. Lebensjahr im Schnitt ein Einkommen von 10.000 Euro brutto im Jahr erwarten, und er wird warten müssen, bis er 45 ist, um die Decke der 40.000 Euro zu durchbrechen.

Oder im Schulwesen, wo abertausende junge Leute ihre Karriere beginnen … mit knapp 20.000 Euro brutto Jahresgehalt. Erst nach 35 Jahren auf einem Lehrstuhl an der Oberschule hätte die Landsmännin von Di Maio darauf hoffen können, 31.325 Euro brutto im Jahr zu verdienen.

Oder hätte sich die junge Laureatin für eine Universitätskarriere entschlossen, dann hätte sie zu Beginn als Forscherin schwitzen müssen mit gerade einmal 1.300 bis 1.700 Euro netto im Monat. Und hätte sie das Glück gehabt, bis zur begehrtesten Position vorzustoßen, nämlich der eines Ordinarius, dann stünde sie mit weniger als den 72.000 Euro da, die ihr jetzt in der Vertrauensstellung für einen Minister in die Taschen rinnen.

Und sie muss die Rechnung mit ihren Kollegen in den Ministerien machen: Ein römischer Ministerialbeamter verdient im Schnitt 29.000 Euro, 57.000 im Palazzo Chigi, dem Amtssitz des Ministerpräsidenten.”    

 

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