Ein Blog von

Georg Dekas

13.11.2020

Bist du nicht willig?

Südtirol – Die von Arno Kompatscher geleitete Landesregierung verfügt, dass die ganze Bevölkerung in einer Hauruckaktion auf Covid 19 getestet werden soll. Der Test sei freiwillig, wird betont. Doch die „Notverordnung“ ist doppelbödig. Nur negativ Getestete dürfen (weiter) arbeiten. Positiv Getestete müssen in den Zwangsurlaub. Eine veritable Triage. Die von Verbänden und Gewerkschaften eiligst abgeänderten Arbeitssicherheitsprotokolle hängen dem K.O.-Verfahren das rechtliche Deckmäntelchen um. Viele Bürger, die sonst gerne bei der Eindämmung des Corona-Virus mithelfen, sind empört. Das Wort Erpressung macht die Runde.

Gemälde von Adriaen Brouwer

Ultimative Aufforderungen hallen in die Wohnstuben: ‚Maske auf oder Schule zu!‘ ‚Massentest oder Lockdown!‘ ‚Test oder Zwangsurlaub!‘ Politik und Medien schießen aus allen Rohren: Infektionen, Todesfälle, rote Zonen, überlastete Intensivstationen, Kollaps der Krankenhäuser, drohender Lockdown… Eine Verordnung jagt die andere. Kein Mensch kennt sich mehr aus. Dazu kommen von Italien herauf videobegleitete Schreckensmeldungen von angeblich kerngesunden, immer Maske getragen habenden jungen Leuten, die der Corona-Teufel in die Krallen bekam und unter der Sauerstoffglocke schindet. 

Doch nun sollen die Tests in Fülle dem Unheil abhelfen. Antigen-Tests sollen in 184 Stationen im ganzen Land abgenommen werden. Wer Virusträger ist, muss sofort in Quarantäne. Mit einem PCR-Test wird dann der Fall vertieft. Sonst könnte kommen, was der Tesla-Tycoon Elon Musk kürzlich in Berlin erlebte. Vier Tests habe er sich an einem Stück machen lassen, zwei seien negativ gewesen, zwei positiv. „Sehr dubios“, twitterte Mr. Tesla. 

Nun, von medizinischen Vorgängen versteht unsereins nichts oder wenig. Gewöhnlich fühlt sich der Sterbliche bei Ärzten in guten bis sehr guten Händen. Und hat großes Vertrauen. Genau dieses Vertrauen in die Medizin wird in Coronazeiten von der Politik regelrecht hingerichtet. 

Zuwege bringt es die auf Hochtouren laufende Maschine der Politik und der Medien. Die subkutane und endemische Ineffizienz des öffentlichen Gesundheitsapparates tut das Ihre dazu. Insgesamt zuviel Reden, Verkündigen und Meinen auf allen Kanälen. Das weckt und nährt Zweifel. Eine diffuse Unsicherheit macht sich breit im ganzen Land – die nichts mit „Leugnen“ und „Verschwören“ zu tun hat.

Und jetzt stellt sich ein Mann mit Gesichtsmaske in Bozen einsam vor die Kamera und etikettiert etwas als„freiwillig“, das unterm Strich ein Quarantänebefehl, eine Stillegungs-Lotterie, ein Berufsverbot und ein massiver Eingriff in die bürgerliche Freiheit ist. Als Gegenwert nichts anderes als die vage Hoffnung auf eine Verbesserung der allgemeinen Lage. Die Bürger verstehen sehr deutlich, was der Herr vor dem faden Pressesaal-Hintergrund sagen will: Entweder du gehorchst, oder wir werden dich einkesseln und dahin treiben, wo wir dich haben wollen. Willst du deinen Job behalten, musst du zum Test. 

Ja, das ist Erpressung, und das versteht ein jeder auch ohne Verweis auf Verfassung und Grundrechte. Eine traurige noch dazu, so wie eine andere landespolitische Verordnung, nach der es „verboten“ sei, in der eigenen Wohnung mit Leuten zu verkehren, die meldeamtlich anderswohin gehören. My Home is my Castle war gestern. 

Womit um alles in der Welt wird diese Kriegsrechts-Politik gerechtfertigt? Ein Seuchen-Notstand wäre ein triftiger Grund. Doch darum geht es ja nicht mehr – nicht nach den mittlerweile konsolidierten epidemiologischen Daten zur Covid-Pandemie und nicht mit einem Impfstoff vor der Tür. Der Südtiroler Landesregierung geht es nach eigenem Bekunden darum, den zweiten, harten  Lockdown abzuwehren. Die Politik ängstigt sich vor dem wirtschaftlichen und sozialen Herzinfarkt ganz Südtirols. So, als ob der Lockdown eine Naturgewalt wäre. Doch einen Lockdown beschließt die Politik und niemand sonst. Ist die Politik sich selbst ihr größter Feind? Es hat den Anschein. Wir sind überreglementiert, das ist fix.

Das Corona-Virus aus Wuhan werden die allerallermeisten überleben. Aus dem gewaltigen Wirtschaftsminus wird irgendwann wieder ein Plus werden, umso fetter und größer, je mehr sich der Staat zurücknimmt und die Leute in Freiheit arbeiten und entscheiden lässt. Nur die politische Vertrauenskrise des Jahres 2020 wird uns noch lange begleiten und arg zu schaffen machen. Ganz und gar nicht freiwillig. 

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  1. kompatscher
    15.11.2020

    @Thea Was heisst hier ihr, ich bin nicht der LH es gibt im Land viele die Kompatscher heissen! Vielleicht meinen Text genauer lesen, dann wäre klar, dass ich mit der bisherigen Politik nicht einverstanden bin. Aber wieso einen Test ausschlagen, der mir zumindest temporäre Gewissheit gibt? Wenn das Trotz ist, dann war Trotz immer schon der falsche Ratgeber. Mit Erpressung hat das überhaupt nichts zu tun, soviel Hr. Dekas das auch glauben machen möchte. Als Malaria – Infizierter muss ich auch in Quarantäne und das war bis jetzt für alle i.O. Was ist an Covid anders? Malaria führt in der Regel auch nicht zum Tode. Also was ist falsch wenn Covid Positive vom normalen Leben vorübergehend ausgeschlossen werden, wie es mit anderen Infektionskrankheiten auch der Fall ist. Wenn ich mich nicht testen lasse, muss ich konsequenter Weise als positiv eingestuft und von allen Aktivitäten ausgeschlossen werden. Es bleibt mir die Wahl mich nicht testen zu lassen, aber ich bin dann ein Sicherheitsrisiko für alle Anderen die negativ sind und muss in Quarantäne. Was von Hr Dekas hier konstruiert wird ist einfach nur fahrlässig.

  2. Thea
    15.11.2020

    Bravo Georg Dekas und zu Kompatscher: haettet ihr nicht bis vor Kurzem “Narrenfreiheit” gegeben und nicht immer Sonderwege beschlossn nur damit genug Touristen und Erntehelfer ins Land kommen, waere es nicht so eskaliert. Ich persoenlich wollte mich freiwillig testen lassen, gehe jetzt aber nicht mehr hin und rate Allen meine Bekannten das gleiche, da ich keine erpresserischen Taetigkeiten unterstuetze.

  3. kompatscher
    15.11.2020

    Berichtigung
    …logisches Konzept vorlegt, das nicht teilweise auf dem Prinzip Hoffnung beruht…

  4. kompatscher
    15.11.2020

    Sehr geehrter Hr. Dekas
    ich kann ihren Kommentar so nicht stehen lassen, weil er den Fehler vieler Kommentare macht, keine Alternative anzubieten. Oder glauben sie wirklich, es einfach geschehen zu lassen wäre besser? Sie würden das Gesundheitssystem zusammenbrechen lassen wollen? Damit wären aber auch andere Krankheiten betroffen, die sonst geheilt werden könnten. Wie würden sie diesen Leuten ihre Situation erklären? Wollen sie wirklich sagen der Stärkere überlebt es, die anderen haben Pech gehabt?
    Wo ich ihnen Recht geben kann ist, dass die Südtiroler Politik, nein die europäische Politik in dieser Krise TOTAL versagt hat. Diese Behauptung getraue ich mich zu sagen, weil es Länder gibt die es ohne Lockdown hinbekommen haben, Taiwan, Süd-Korea weitere die einen zweiten Lockdown verhindern konnten, China ja China und Japan, Australien. Die haben das Virus nicht einfach geschehen lassen, wie sie das vorschlagen. Diese Länder haben Massnahmen gesetzt, ja indem sie Restriktionen eingeführt haben, nur auf Freiwilligkeit zu setzen ist gelinde gesagt blauäugig. Wir alle müssen uns an die Strassenverkehrsordnung halten, um nicht andere und uns selbst zu gefährden. Wir tun das auch weil wir durch Strafandrohung daran erinnert werden. Ist das nicht auch” Bist du nicht willig…” Werde ich da nicht auch an meinen Freiheitsrechten gehindert? Wieso muss ich mich angurten ist doch mein Leben das ich riskiere. Wenn sie mit massiv überhöhter Geschwindigkeit unterwegs sind, wird ihnen der Führerschein entzogen ecc.. Diese Dinge sind in unserer Kultur verankert und der Grossteil akzeptiert sie, warum dann nicht Einschränkungen die das Virus bekämpfen? In dieser geplanten Massentestung sehe ich das erste Mal etwas Sinnvolles, um die “faulen” Äpfel von den Gesunden zu trennen. Kann das auf Freiwilligkeit funktionieren? Nein! Aber die, die negativ sind, sollten dann auch ganz “normal” mit Maske weiter Leben können. Alle Betriebe können aufsperren. Jeder der Negativ ist, kann wenn er mit der Imuni App nachweist, dass er negativ ist Restaurant, Theater, Bus, Bahn benutzen. Jeder Positive muss in Quarantäne und es muss kontrolliert und bestraft werden wenn man sich nicht daran hält. Komme ich aus Afrika mit Malaria zurück, muss ich auch in Quarantäne, da schreit auch keiner nach den Freiheitsrechten.
    Jetzt kommt aber der Punkt, wo wahrscheinlich unsere Politiker wieder einmal nicht zu Ende denken. Damit diese Massname wirkt, müssen die Testungen immer wieder wiederholt werden. Das könnte in den Betrieben, Schulen erfolgen. Damit das funktioniert, muss ein Betrieb mit Schliessung rechnen, wenn dieser nicht getestete Personen hinein lässt. Hätte man das alles schon im Sommer umgesetzt, hätten wir Heute für ein Grossteil der Menschen ein normales Leben und wären Musterschüler, so wie die genannten asiatischen Länder. Wenn man den Menschen ein klares, logisches Konzept vorlegt, das teilweise auf dem Prinzip Hoffnung beruht und auch langfristig gedacht ist, wird es vom Grossteil der Bevölkerung auch akzeptiert werden. Und ein Letztes, ich lasse mich lieber 10 x testen als mit etwas impfen, das im Eiltempo entwickelt wurde. Wenn die Impfrate nicht hoch genug sein wird, werden halt “Anreize” geschaffen werden. Wir können jetzt entscheiden, welche Massnahmen uns lieber sind.

  5. RolandLang
    14.11.2020

    Ein sachlicher Kommentar, der hoffentlich viel gelesen wird.
    Gratuliere Georg Dekas zu seinen klaren Worten.

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