Ein Blog von

Georg Dekas

22.05.2019

Attentat zum Zweiten: Die Netzwaffe

Der tiefe Fall des HC Strache möge lehren, wie eine schrankenlose Öffentlichkeit und das Entblößen von Allem mittels Netz und Handy einen jeden von uns verblenden, irreleiten, ja sogar zerstören kann.

Spinnennetz Pixabay/bella67

„Sehr geehrter Herr Dekas, nachdem ich Ihren Blog bez. des „Attentats mit einem Video” gesehen habe, frage ich mich nun – hat HC Strache die Dinge gesagt, die er gesagt hat, oder nicht? Vermischen Sie hier nicht ein wenig die Schuldproblematik aus reinem Eigennutz und eigenem Interesse? Darf man das als Medium tun, wenn man nur einen Rest von Verantwortungsgefühl hat? Wo sind wir „gelandet“? Ich wünsche mir … von Ihnen ein bisschen mehr Verantwortungsbewusstsein.“ 

Diese Zeilen habe ich von einem akademisch tätigen Leser bekommen, was ihn ehrt. Auch schätze ich die Kritik, noch mehr aber den menschlichen und nicht unfreundlichen Ton. (An die Adresse von anderen: Fragezeichen sind halt doch professioneller, Sokrates docet, als hochmoralische Empörung und Autorenbeschimpfung).

Der Brief hat mich bewegt, die Gedanken des Blogs vom 18. Mai, den ich mit heißer Feder gleich nach der Fernsehansprache von HC Strache verfasst hatte, noch einmal durchzugehen. So habe ich geantwortet.

Sicher, der Strache hat gesagt, was er gesagt hat, und das – einmal an die Öffentlichkeit gelangt – ist nicht nur genug für einen Rücktritt, es ist das Aus, verbunden mit großem Schaden für die eigene Partei und das eigene Land, das (ob klein oder groß, ob gewählt oder nicht) man immer vertritt.

Wer immer das Video veranlasst hat, wusste, dass er damit eine Hinrichtung vornimmt. Im Krieg ist so etwas erlaubt und notwendig. Offensichtlich meinen nicht wenige, dass wir im Krieg sind und jedes Mittel recht ist, den Gegner auszuschalten.

Die neue Netzwaffe, die es ermöglicht, einen Gegner auf diese Weise abzuschießen, ist erst seit relativ kurzer Zeit in Gebrauch. Noch ist es vielen Leuten nicht bewusst, dass irgendwer jederzeit die eigene Privatsphäre auffliegen lassen kann – oder es ist ihnen bewusst, aber sie haben das gebotene Verhalten zur Abwehr noch nicht verinnerlicht.

Frage sich ein jeder selbst: Was tun und vor allem reden wir nicht alles, wenn wir uns vermeintlich in Sicherheit wähnen? Würde es nicht jeder als „Attentat“ auf sich bezeichnen, wenn er mit gemeinen Mitteln vor aller Welt bloßgestellt wird, weil – nur ein Beispiel – er einmal im engsten Kreis und im Rausch gleich welcher Art lauthals meinte, sein Chef wäre ein Versager und gehörte abserviert? So etwas veröffentlicht, würde zwar die wahre Meinung zum Chef offenbaren und es würde dem Pechvogel seinen Job kosten, aber sagen Sie mir bitte nicht, dass das, was Strache da von sich gegeben hat, nicht zigfach in den Hinterzimmern der Macht abgesprochen wird. Früher gab es halt nicht die technischen Mittel, um das aufzunehmen und massenhaft zu verbreiten.

Zum „reinen Eigennutz“: Ich habe überhaupt nichts davon, den Herrn Strache zu verteidigen, noch möchte ich von dem, was er gesagt hat, ablenken, indem ich mit dem Finger auf die Unlauterkeit des verwendeten Mittels zeige. Das Video ist eine Schmach für die Nation, aber auch für die Demokratie in ihrem heutigen, ganz offensichtlich erbarmungswürdigen Zustand, in dem reine Bilder und Worte ähnlich ungedeckten Schecks die Volkstribune beliebig entstehen und vergehen lassen können. Das ist nicht mehr real!

Entgegentreten will ich mit meiner Stellungnahme zum „Attentat“ auf HC Strache und auf die FPÖ in jedem Fall dem Empörungsmoralismus in der schönen neuen Netzwelt (als ob wir selbst Heilige wären und die Bösen immer die anderen)!

Und wie schon geschrieben, wehre ich mich dagegen, wenn die Geschicke eines Landes (und in diesem Falle ist es ein sogar ein ganzer Kontinent, Stichwort EU-Wahlen) von Unbekannten mit unlauteren Mitteln beeinflusst werden und die Absicht, sie lenken zu wollen, offensichtlich ist.

Meine Verantwortung als Blogger im Netz sehe ich darin, die geneigten Leser darauf aufmerksam zu machen, dass sie als Bürger das Heft selber in der Hand halten müssen und frei wählen sollen.

Wer die FPÖ und den Strache nicht mag, hat sich auch ohne dieses Video längst eine Meinung bilden können. Sicher, manchen seiner Gefolgsleute hat das Video die Augen für die Abgründe der Politik geöffnet, aber im Grunde ist dieses Video und die Absicht dahinter ganz klar eine Waffe der psychologischen Kriegsführung um die Gunst der Massen. Da mag ich nicht applaudieren.

 

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