von lif 20.02.2026 18:48 Uhr

Von verunreinigter Babynahrung betroffenen Babys gesund

Der Skandal um verunreinigte Babynahrung betrifft Österreich deutlich stärker als bisher angenommen. So hat die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) vier Verdachtsfälle mit Symptomen einer Cereulid-Intoxikation an das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) gemeldet, betroffen waren Kinder mit null bis elf Monaten. Alle vier Babys sind inzwischen wieder genesen, bestätigte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums.

Bild: APA/Themenbild

Demnach sind alle wieder „in gutem gesundheitlichem Zustand“. Am Donnerstag hatten ECDC und die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) den Bericht veröffentlicht, dadurch wurden die vier heimischen Fälle bekannt. Bei einem Säugling wurde Cereulid in der zu sich genommenen Nahrung nachgewiesen. Zwei Kinder konsumierten nachweislich Produkte aus zurückgerufenen Chargen. Das vierte Kind nahm Babynahrung aus einer nicht zurückgerufenen Charge zu sich. Eines der Babys musste in einem Krankenhaus behandelt werden. Die Symptome traten demnach zwischen dem 26. Jänner und dem 6. Februar auf.

Florian Fellinger, zuständig für Verbrauchergesundheit im Gesundheitsministerium, sagte dazu im Ö1-Mittagsjournal, dass die Verdachtsfälle retrospektiv erhoben werden. Teilweise seien auch Proben der AGES übermittelt worden. Fellinger betonte, dass in Österreich nach dem Bekanntwerden der ersten Rückrufe sofort eine Schwerpunktaktion gestartet worden war. Demnach wurden „120 verschiedene Produkte“, die in Österreich erhältlich sind, untersucht, „auch aus Haushalten“. Dabei sei über die bisher bekannten Rückrufe hinaus kein weiteres Produkt festgestellt worden, das „zurückgerufen werden muss“.

Im Handel erhältliche Produkte sicher

Er gehe davon aus, dass die im Handel erhältlichen Produkte, die nicht von bisherigen Rückrufen betroffen sind, „sicher sind“. Dass in den Regalen noch mit dem Toxin Cereulid verunreinigtes Milchpulver erhältlich ist, könne er „nicht zu 1.000 Prozent ausschließen“, da noch Untersuchungen laufen, alle Chargen der „großen Hersteller sind schon untersucht worden“. „Die Mehrheit der jetzt untersuchten Produkte, die am Markt sind und untersucht wurden, sind hier nicht betroffen“, sagte Fellinger. Auch Eltern können, wenn sie einen Verdacht haben, dass ihr Baby wegen Milchpulvers krank wurde, Proben zur AGES schicken, betonte er.

Foodwatch hatte das Vorgehen der heimischen Behörden bereits am Donnerstag kritisiert. „Die von der EFSA und ECDC veröffentlichte Auswertung zeigt einmal mehr, dass dieser Skandal auch kommunikativ eine Farce für die betroffenen Eltern ist“, hieß es in einer Aussendung. Während öffentlich der Eindruck vermittelt worden sei, es gebe in Österreich keine gemeldeten Fälle von Säuglingen, die nach dem Verzehr von möglicherweise kontaminierter Babynahrung Symptome einer Cereulid-Vergiftung aufgewiesen haben, seien gleichzeitig Erkrankungen an EU-Behörden gemeldet worden. „Das erschüttert das Vertrauen massiv.“

Foodwatch vermutet hohe Dunkelziffer

Bei Foodwatch hätten sich inzwischen „rund 200 Menschen gemeldet, deren Kinder ebenfalls, zum Teil schwere, gastrointestinale Symptome nach dem Verzehr von Babymilch erlitten haben“. Man gehe „von einer deutlich höheren Dunkelziffer“ aus. „Auch haben uns Eltern kontaktiert, deren Babys nach dem Verzehr von nicht offiziell zurückgerufenen Chargen erkrankt sind“, schilderten die Konsumentenschützer. Diese Verdachtsfälle sind dem Gesundheitsministerium nicht bekannt, allerdings werde dem nachgegangen, sagte Fellinger.

Die EU-Behörden sehen die Vergiftungsgefahr für Kleinkinder insgesamt aber mittlerweile größtenteils gebannt. „Angesichts des Umfangs der Rückrufe ist die derzeitige Wahrscheinlichkeit einer Exposition gegenüber kontaminierten Säuglingsanfangsnahrungsmitteln gering“, erklärten die EFSA und das ECDC. Allerdings könnten weiterhin Fälle auftreten, wenn zurückgerufene Produkte nicht zurückgegeben wurden, hieß es.

APA/UT24

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