von hz 13.05.2022 18:19 Uhr

Mehr heimische Produkte in Mensen

Immer mehr Konsumenten, aber auch die Direktvermarkter, wünschen sich mehr heimische Lebensmittel in Mensen. Die Realität sehe leider oft anders aus. Ein Praxisleitfaden soll nun für mehr Regionalität sorgen. Kürzlich ist der Leitfaden vom Südtiroler Bauernbund online vorgestellt worden.

Foto: OEW-Anna Mayr

Obwohl Südtirols Bäuerinnen und Bauern viele hochwertige Lebensmittel in ausreichender Menge produzieren, werden immer noch z. B. Milchprodukte, aber auch Obst und Gemüse, aus anderen Regionen für die heimischen Mensen hertransportiert. Die Direktvermarkter schauen daher oft durch die Finger. Gründe dafür seien komplexe verwaltungstechnische Abläufe. Zudem wissen die Verantwortlichen in Gemeinden, Bezirksgemeinschaften usw. oft zu wenig über die vertraglichen Möglichkeiten eines Einkaufs bei heimischen Direktvermarktern, schreibt der Südtiroler Bauernbund (SBB) in einer Aussendung.

Die 10.000-Euro-Regelung

Daher hat die Landesregierung die Einkaufsgenossenschaft Emporium beauftragt, einen „Praxisleitfaden für eine lokale und nachhaltige Gemeinschaftsverpflegung in Südtirol“ zu verfassen, der den Weg für die heimischen Produkte in die Mensen ebnen soll. Im Leitfaden wird u. a. auf die 10.000-Euro-Regelung hingewiesen. Bis zu diesem Betrag können öffentliche Körperschaften bei jedem Produzenten und pro Jahr relativ unkompliziert einkaufen, da die Bestimmungen des Vergabekodizes hier nicht zur Anwendung kommen. Dafür hatte sich der SBB viele Jahre lang starkgemacht. 2016 ist es den Südtiroler Abgeordneten Manfred Schullian und Hans Berger gelungen, die Ausnahmeregelung für den Ankauf von landwirtschaftlichen Produkten von Betrieben in Berggebieten durch öffentliche Einrichtungen zu verankern.

Neben den Verantwortlichen in Gemeinden, Bezirksgemeinschaften u. ä. richtet sich der Leitfaden an die Köche in der Gemeinschaftsverpflegung und soll sie motivieren, mehr Produkte von heimischen bäuerlichen Betrieben zu verwenden. Und nicht zuletzt ist der Praxisleitfaden auch an die Bäuerinnen und Bauern selbst adressiert. Kürzlich ist der Leitfaden deshalb bäuerlichen Funktionären, bäuerlichen Gemeindemandataren, Direktvermarktern und Genossenschaftsvertretern vorgestellt worden.

„Politischer Druck ist wichtig“

Auf die große Bedeutung dieses Leitfadens wies Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler im Webinar hin. Direktor Siegfried Rinner betonte, dass es großen Einsatz erfordere und nicht immer einfach sei, die bürokratischen Hürden bei der Auftragsvergabe zu meistern. Doch wichtig sei ein politischer Druck und die Änderung des Verhaltens beim Einkauf von in Südtirol produzierten Lebensmitteln. „Eine verstärkte Regionalität ist heute unverzichtbar.“ Es seien aber auch die Landwirte gefordert, auf die vermehrte Nachfrage nach frischem Obst und Gemüse sowie verarbeiteten Produkten zu reagieren. „Zuerst muss jedoch die Nachfrage da sein, dann kann die Produktion folgen.“

Dass die Belieferung von Mensen durch heimische bäuerliche Betriebe funktioniert, bestätigte Thomas Egger, Bürgermeister der Gemeinde Vöran. „Es brauchte viel Überzeugungsarbeit und Durchhaltevermögen, die Produkte für die Schule bei den Bauern aus der Gemeinde Vöran und der Umgebung gesetzeskonform einzukaufen. In der Zwischenzeit liefern einige Bauern Kartoffeln, Salat und anderes Feldgemüse, Eier, Käse, Fleisch und Brot in die Schulmensa. Eine kontinuierliche Abnahme wird unsererseits garantiert.“

App wird entwickelt

Der Obmann der Einkaufsgenossenschaft Emporium, Norbert Bertignoll, dankte seinem Team um Geschäftsführer Peter Kaufmann für die Erstellung des Praxisleitfadens. Kaufmann erklärte, wie die richtige Art der Vertragsvergabe gefunden werden kann. Eine Hilfestellung dazu erwartet sich Emporium von einer speziellen App, die derzeit entwickelt wird und auch den Bedürfnissen der Produzenten Rechnung trägt.

Der „Praxisleitfaden für eine lokale und nachhaltige Gemeinschaftsverpflegung in Südtirol“ ist nach vorheriger Registrierung auf der Webseite www.emporium.bz.it erhältlich.

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