von lif 18.03.2022 15:57 Uhr

Novavax: Ein zuverlässiger und herkömmlicher Impfstoff?

Livia Borsoi, stellvertretende Direktorin des betrieblichen Dienstes für Hygiene und öffentliche Gesundheit, stellt den von Novavax auf Proteinbasis entwickelten Impfstoff vor und erläutert die besonderen Merkmale und Anwendungsvorteile.

APA/AFP

Seit dem 2. März 2022 ist Nuvaxovid, der neue Impfstoff des US-Biotechnologieunternehmens Novavax, in allen Impfzentren Südtirols erhältlich. Um der Öffentlichkeit mehr Informationen über dieses zusätzliche Mittel im Kampf gegen Covid zu geben, hat der Südtiroler Sanitätsbetrieb Livia Borsoi gebeten, das Thema näher zu erläutern. Das folgende beleuchtet viele Fragen im Zusammenhang mit dem neuen, hochwirksamen Impfstoff.


Welches sind die wichtigsten Merkmale von Nuvaxovid?

„Die Technologie, die zur Herstellung von Nuvaxovid verwendet wird, ist eine herkömmliche. Diese wird bereits seit langem für andere Impfstoffe wie etwa gegen HPV oder Hepatitis B eingesetzt. Bei dem von Novavax hergestellten Vakzine handelt es sich um einen Impfstoff auf Basis des Spike-Proteins, dieser charakteristischen Ausbuchtung auf der äußeren Oberfläche des Coronavirus. Das Protein wird injiziert und die Immunabwehr beginnt daraufhin mit der Produktion von Antikörpern. Der Impfstoff würde ohne ein Adjuvans, Matrix-M, nicht funktionieren. Dabei handelt es sich um Saponin, eine natürliche Substanz, die dafür sorgt, dass unser Körper das Spike-Protein aufspürt, bevor es ausgeschieden wird.“

Wie hoch ist die Wirksamkeit?

„In den Zulassungsstudien, die zum Teil in den USA und zum Teil in Mexiko an einer Gruppe von rund 30.000 Personen durchgeführt wurden – dazu kommt noch eine weitere Gruppe von 15.000 Personen, die ein Placebo erhalten haben – wurde eine Schutzwirkung von 90 Prozent nach der zweiten Dosis festgestellt.“

Wie wird die Korrektheit der gewonnenen Daten über die Wirksamkeit eines Impfstoffs bestimmt und wer ist für deren Überprüfung zuständig?

„Impfstoffe durchlaufen eine Testphase, bevor sie auf den Markt kommen. In dieser Phase ist das herstellende Unternehmen für die Qualität und Korrektheit der eingereichten Daten verantwortlich. Klinische Studien werden in der Regel von Universitäten oder anderen hoch qualifizierten Einrichtungen durchgeführt. Die Kontrollen enden jedoch nicht in diesem Stadium. Selbst wenn der Impfstoff auf den Markt kommt, werden die Studien fortgesetzt. Neben der Sicherheit des Impfstoffs und den Meldungen über etwaige Nebenwirkungen wird auch die Wirksamkeit des Impfstoffs in Bezug auf die im Umlauf befindlichen Varianten des Coronavirus überwacht.“

Wie schneidet Nuvaxovid im Vergleich zu mRNA-Impfstoffen von Pfizer oder Moderna ab?

„Unter dem Gesichtspunkt des Schutzes sind diese Impfstoffe alle vergleichbar. Ein Unterschied ist, dass Nuvaxovid einfacher zu handhaben ist. Bei verschlossenem Fläschchen hält es sich im Kühlschrank neun Monate lang. Bei Raumtemperatur bis zu zwölf Stunden. Einmal geöffnet kann der Impfstoff 6 Stunden lang verwendet werden. Nuvaxovid ist also einfacher zu handhaben und zu transportieren. Dadurch wird auch das Risiko der Verschwendung vermindert.“

Die Zahlen der Neuimpfungen mit Nuvaxovid sind allerdings nicht ermutigend, wie erklären Sie sich das?

„Das liegt zum Teil daran, dass sich bereits viele Menschen mit Covid angesteckt haben und daher nicht mehr die gleiche Angst vor Ansteckung haben wie vorher. Das ist falsch, denn selbst bei einer leichten Infektion lässt sich nur schwer vorhersagen, wie sich das Virus in Zukunft entwickeln wird. Und es ist nie ratsam, sich einer potenziellen Gefahr auszusetzen. Die Informationen, die uns vorliegen, sind eindeutig: Ungeimpfte haben ein viel höheres Risiko, auf der Intensivstation zu landen, als Geimpfte.“

Ist es möglich, dass Nuvaxovid in Zukunft auch bei Minderjährigen, insbesondere in der Altersgruppe der 5-11-Jährigen, eingesetzt wird?

„Studien dazu sind im Gange. Wir können davon ausgehen, dass es in sieben bis acht Monaten für diese Altersgruppe zugelassen sein wird. Es wird noch einige Zeit dauern, denn es geht um die Dosierung, die erst noch festgelegt werden muss. Es wird dann wohl so sein, wie beim Impfstoff von Pfizer, bei dem die Dosis für Kinder etwa ein Drittel der Erwachsenendosis entspricht.“

Reicht eine Durchimpfungsrate von etwa 79 Prozent, wie sie derzeit in Südtirol besteht, um zu sagen, dass wir „über den Berg“ sind?

„Wer geimpft ist, ist gegen eine allgemeine systemische Infektion geschützt. Je höher der Prozentsatz der Geimpften, desto stärker wird die Verbreitung von Covid eingeschränkt, das ist sicher. Allerdings ist es wohl unmöglich, das Virus vollständig zu stoppen, selbst wenn wir 100 Prozent Geimpfte hätten. Das Konzept der so genannten Herdenimmunität wird also von der Fähigkeit des Coronavirus zur Mutation unterwandert. Wir haben es mit einem Phänomen zu tun, das nicht statisch ist, sondern stark schwankt. Was wir aber aufgrund der uns vorliegenden Daten mit Sicherheit wissen, ist, dass Geimpfte weniger lange positiv bleiben und auch weniger in der Lage sind, das Virus zu übertragen.“

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  1. MartinB
    18.03.2022

    „Wer geimpft ist, ist gegen eine allgemeine systemische Infektion geschützt.“ Warum es dann bei Vulnerablen schon nach 3-4 Monaten auch den Booster brauchte, bzw. wieso Israel und andere die vierte Gabe nicht fortsetzen, spricht die Dame nicht an. Eben einseitig pro mRNA 2020. Keiner kann sagen ob rein Geimpfte inklusiv Booster im Herbst noch einen signifikanten Mehrschutz haben, die Wirkung sinkt bekanntermaßen mit jedem Monat und eben auch bei Spike-Varianten wie Omikron sie hat.
    Bezüglich Nuvaxovid: habe zwar mehr Vertrauen als bei Pfizers und Modernas geschönten Zulassungsstudien, trotzdem muss eine nächste Welle in Europa bei Hunderttausenden Nuvaxovid-Geimpften abgewartet und untersucht werden, auch im Vergleich mit rein Genesenen. Ebenso die Eudra-Vigilance Daten ob endlich ähnlich Nebenwirkungslos wie bei herkömmlichen Influenza-Impfstoffen (mRNA kann da nicht mithalten). Bezüglich der mangelnden Erfolge bei den bisherigen Impf-Konzepten rein auf dem Spikeprotein basierend (auch Nuvaxovid gehört dazu), sollte eigentlich endlich der Valneva-Ganzvirus-Stoff zugelassen werden, der eine umfassendere und länger haltende Immunität geben könnte. Oder auch andere Konzepte und Alternativen für die vulnerablen Gruppen. Falls im Herbst wieder nur Pfizer und Moderna groß alles retten sollen, Gnade uns – die Aktionäre natürlich freuen sich.

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