von su 31.12.2020 07:44 Uhr

Corona: Infektionstreiber Gastbetriebe?

Sie gehören zu jener Sparte, die am meisten unter der Pandemie zu leiden haben. Den Gasthäusern und Restaurants wird die Arbeit untersagt und keiner weiß, wann wieder Normalität eintreten wird.

Gisela Schneider ist Mitinhaberin und Geschäftsführerin von "Terra" The Magic Place im Sarntal. (Bild: Privat)

Gisela Schneider ist eine resolute Frau. Als Mitinhaberin und Geschäftsführerin eines mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichneten Gastronomiebetriebes mit angeschlossenem Hotel auf 1600 Meter im Sarntal, gehören Entschlossenheit und energisches Handeln zum täglichen Brot.

Schneider lässt das auch deutlich nach außen erkennen, was in ihr brennt, wenn sie beispielsweise in Facebook schreibt: „…und diese politische Hängepartie geht weiter. Wir haben heute den 29. Dezember und wissen noch immer nicht, was nach dem 6. Jänner kommt. Was ist mit uns Restaurants? Was ist mit uns Hotels? Dürfen Gäste problemlos einreisen? Was können die Gäste vor Ort machen? Dürfen sie Skifahren? Sind die Geschäfte geöffnet? Dürfen unsere Oberschüler wieder in die Schule? Was wir wissen, ist, dass die öffentliche Hand arbeiten darf, so wie auch das Handwerk, Bauwesen und Industrie. Und bitte nicht falsch verstehen, ich freue mich für jeden, der arbeiten darf. Es geht nicht um falschen Neid. Denn je mehr Menschen arbeiten, umso besser ist es für alle. Aber warum hängen wir nach mehr oder weniger zweimonatigem Pseudolockdown immer noch in der Luft? Ich verlange auch keine Sympathie uns Hoteliers gegenüber, aber ich verlange Fairness. Wenn Regeln, dann für alle.“

Von Geld verdienen ist nicht die Rede

Von UT24 darauf angesprochen, wird Schneider deutlich: „Wir haben im Moment noch keine Information von Seiten der Politik, ob und mit welchen Öffnungszeiten die Gastronomie in einer Woche (!) öffnen darf. Wir sind eigentlich ein Abendrestaurant, so wie die meisten Kollegen in der Sternegastronomie. Wenn keine internationalen Gäste einreisen dürfen und ein Abendbetrieb im Restaurant untersagt ist, überlegen wir uns, das Restaurant am Samstag und Sonntagmittag zu öffnen, um zumindest unsere Mitarbeiter beschäftigen zu können. Von Geld verdienen ist bei so einem Szenario sicher nicht die Rede, sondern eher von Schadensbegrenzung“.
Auch fand der Lockdown nur für den Tourismus und den Handel statt, sagt Schneider. „Während fast alle anderen Branchen auch in Zeiten von roter Zone ohne Einschränkungen und Maske weiterarbeiten durften“, klagt die Gastwirtin an.

Sonnenliegen zu Mitternacht

Auch die Oberschüler säßen nach wie vor zu Hause, während öffentliche Busse so überfüllt seien, dass es am Wochenende nur mehr Stehplätze gäbe, erzählt Schneider, die das selbst erlebt habe. „Wir Hotels dürfen zwar offen haben, aber die Gäste dürfen nicht anreisen. Das ist wie, wir dürfen Sonnenliegen, aber nur bei schlechtem Wetter und am besten zu Mitternacht“.

„Wir sind die Infektionstreiber – ob wir offen haben oder nicht”

Schneider klagt zudem an, dass die Regeln nicht fair seien – vor allem gegenüber den Gastwirten. Auf die Frage von UT24, warum sie diese Einschätzung habe, gibt sich die Sarnerin pragmatisch: „Ganz einfach, weil die steigenden Infektionszahlen seit Monaten immer nur auf die Gastwirte reduziert werden, unabhängig davon ob wir geöffnet haben oder nicht“.

Schneider habe den gesamten Mai mit Hygieneschulungen verbracht, so wie der Großteil ihrer Kollegen Sicherheitskonzepte umgesetzt und zum Dank dafür durften ausgerechnet sie dann wieder schließen. „Und das Beste daran. Die Infektionszahlen sind dann erst recht gestiegen“.

„Wie oft haben wir andere Diktaturen hochnäsig belächelt?“

UT24 fragt die Unternehmerin, was die Politik richtig gemacht habe: „Unsere lokalen Politiker haben sich schon bemüht im Rahmen ihrer Möglichkeiten Lösungen zu finden“. Die Kommunikation sei sicherlich noch ausbaufähig. Die nationale und europäische Politik habe allerdings total versagt, gibt sich Schneider überzeugt:

„Wir werden im Moment von einer Hand voll Virologen regiert. Und je strenger die Regeln und je größer die Panik umso mehr Macht und Medienpräsenz haben unsere Politiker. Wie oft haben wir andere Diktaturen hochnäsig belächelt und heute – nach 10 Monaten Pandemie (!) – dürfen wir nicht einmal im eigenen Land frei reisen, sind die Grenzen geschlossen, die Schüler dürfen nicht zur Schule, Restaurants und Geschäfte sind geschlossen. Schöne neue Welt kann ich da nur sagen“, fasst Schneider zusammen.

  • HGV-Präsident Manfred Pinzger, Foto: HGV/Facebook

HGV-Präsident Manfred Pinzger: Täglich in Verhandlungen

Das Signal aus Bozen

Ob nun ab dem 7. Januar weder normaler Betrieb in den Restaurants herrsche oder nicht, fragt UT24 den Präsidenten des Südtiroler Hotelier und Gastwirte-Verbandes (HGV), Manfred Pinzger.

Für den HGV-Chef ist klar, dass ab dem 7. Jänner wieder zum normalen Betrieb in den Restaurants zurückgekehrt werden wird. Das heißt dezidiert, mittags als auch abends, gibt sich Pinzger sicher.

Er, Pinzger, befände sich zu diesem Thema täglich in Verhandlungen mittels Videokonferenz mit den Landesräten Arnold Schuler und Philipp Achammer. Es gäbe noch keine keine Zusagen, relativiert Pinzger. Es seien vorerst „Signale aus der Politik“, stuft Pinzger die Lage eine Woche vor besagtem Termin ein.

Es reicht jetzt

Pinzger vertraue diesen „Signalen“, denn man könne nicht einen Sektor, der nachweislich sehr geringe Gefahrenpotentiale in sich trüge und viel Geld in Sicherheitsmaßnahmen investiert habe, weiterhin zu den Hauptverantwortlichen zählen.

„Es reicht“, sagt Pinzger zu UT24. „Wir sind im Bereich Restaurants schon lange genug zugesperrt – und stellen als Folge keine Verbesserungen bei den Infektionszahlen fest – es ist demnach nicht der Fall, dass die Restaurants die Infektionstreiber dieser Pandemie sind“.

Gisela Schneider kann hoffen, dass Sie und ihr Team bald wieder Gäste begrüßen dürfen.

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  1. Puschtra
    31.12.2020

    Politiker -Pseudovirologen-Wissenschaftler dei bekommen Alle pünktlich ihr Gehalt ohne Einbussen überwiesen, die haben einfach schon länger den Draht zur Bevölkerung verloren, Existenzängste kennen die Nicht!!! Die sind von den Sorgen von Gastweirten und aderen Selbständigen so weit entfernt, wie die Erde zum Universum. Und ganz klar, leben wir in einer Corona-Diktatur, wer das nicht bemerkt, der wird unsere Volksverräter bei den nächsten Wahlen , wieder die Stimme geben, Jeder Wähler wählt seinen Schlächter selber.

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