von fe 26.05.2020 06:53 Uhr

63 Prozent mehr Tote in Südtirol

Wie viele Menschen sterben am Coronavirus? Statistiken zur sogenannten Übersterblichkeit können helfen, diese Frage zu beantworten.

Symbolbild

Übersterblichkeit (Exzess-Mortalität) gibt an, wie viele Menschen mehr im Vergleich zum Durchschnitt gestorben sind. Dazu betrachtet man jeweils bestimmte Zeiträume – wie ausgewählte Monate in früheren Jahren. Derzeit sind Daten bis zum 31. März verfügbar – aufgrund der gesetzlichen Regelungen zur Meldung der Sterbefälle an die Wohnsitzgemeinde und an die amtliche Statistik sind die Daten mit einem Verzug von etwa fünf bis sechs Wochen nach dem Bezugsmonat verfügbar.

Im Monat März wurden in Südtirol insgesamt 647 Personen wegen Todesfalls aus den Melderegistern gelöscht. Dies sind rund 62,5% mehr als im Durchschnitt der Jahre 2015-2019 (398). In diesem Fünfjahreszeitraum wurde der niedrigste Wert im März 2017 mit 355 Fällen und der höchste Wert im März 2015 mit 439 Todesfällen verzeichnet.

Die überzählige Zahl der Todesfälle beträgt 249, von denen aber nicht einmal die Hälfte (110, entsprechen 44,2% der Differenz) auf diagnostizierte Todesfälle entfallen, die der Covid-19-Überwachung gemeldet wurden.

Diese allgemeine Zunahme an Todesfällen jeglicher Ursache ist laut Astat eine der dramatischsten Folgen der Auswirkungen der Pandemie. Die an die nationale Gesundheitsbehörde übermittelten Todesfälle geben nämlich nur einen Teil dieser Auswirkungen wieder, da sie sich nur auf jene mit einem positiven Testergebnis beziehen.

Ein universelleres Maß für die Auswirkungen der Pandemie auf die Mortalität der Bevölkerung ist der Überschuss an Todesfällen (jeglicher Ursache), die sich aus dem Vergleich der Zahlen von 2020 mit der durchschnittlichen Zahl der Todesfälle im selben Zeitraum der vergangenen fünf Jahre (2015-2019) ergibt. Es wird davon ausgegangen, dass die Ausbreitung der Pandemie zu einem Anstieg der Todesfälle führt, auch wenn diese nicht direkt mit der Zahl der offiziell als Covid-positiv bekannten Todesfälle zusammenhängen.

Für den zusätzlichen Anteil der 139 weiteren Todesfälle kommen laut Astat drei mögliche Ursachen in Frage:

– eine zusätzliche Mortalität in Zusammenhang mit Covid-19 (in Fällen, in denen kein Test durchgeführt worden ist),

– eine indirekte Mortalität im Zusammenhang mit Covid-19 (Todesfälle aufgrund von Funktionsstörungen von Organen wie Herz oder Nieren als mögliche Folge der durch das Virus ausgelösten Krankheit bei ungetesteten Personen),

– eine indirekte Mortalität, die nicht mit dem Virus zusammenhängt, sondern etwa damit, dass aufgrund der Krise Kontrolltermine oder Eingriffe verschoben werden mussten oder Menschen aus Angst vor Ansteckung das Krankenhaus nicht aufgesucht haben.

Männer in höherem Alter am stärksten

Die im März 2020 verzeichnete Übersterblichkeit ist bei Männern ausgeprägter als bei Frauen, v.a. ab einem Alter von 80 Jahren. Diese Tatsache macht deutlich, dass sich das Phänomen der männlichen Übersterblichkeit wahrscheinlich auch auf Ursachen erstreckt, die nicht direkt mit dem Virus zusammenhängen

Ein Vergleich im Rahmen der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino

Der Astat-Vergleich mit den benachbarten Regionen Tirol und Trentino fördert erhebliche Unterschiede zutage: In Tirol betrug die Übersterblichkeit im März lediglich 11,5%, im Trentino 42,6%.

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  1. FranzK
    26.05.2020

    …komisch, die diesen Bericht zusammen stellen sind keine Verschwörungstheoretiker, sagt man was dagegen dann……..

  2. Diandl
    26.05.2020

    Wenn so vielen Menschen die ärztliche Versorgung verwehrt geblieben ist, ist es kein Wunder, daß deshalb auch Menschen starben. In obiger Aufzählung sind die Selbstmorde mit keinem Wort erwähnt. Wahrscheinlich bewußt verschwiegen.
    Ein kalifornisches Krankenhaus meldet für die jüngste Zeit mehr Selbstgetötete als Corona-Tote. Tragisch!

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