von fe 25.03.2020 21:35 Uhr

„Südtiroler Landwirte sind Stütze der Gesellschaft“

Die Landwirtschaft in Zeiten der Corona-Krise? „Auf Südtirols Bauern ist Verlass“, sagt Georg Gallmetzer, Präsident der Arbeitsgruppe „Zukunft Landwirtschaft“. Im Interview spricht er über die Einschränkungen, welche die Corona-Maßnahmen für die Landwirte mitbringen und darüber, wie es nach der Krise weitergehen könnte.

Symbolbild

In welcher Form sind Südtirols Landwirte gerade und insbesondere jetzt in der Coronavirus-Krise für die Nahversorgung der Bevölkerung in Südtirol verantwortlich?

 

Georg Gallmetzer: Die Südtiroler Landwirte sind nicht nur jetzt, sondern seit jeher eine Stütze der Südtiroler Gesellschaft. Man bedenke, nicht nur die Obst- und Weinwirtschaft, die Milchbauern und die Tierzüchter, die ja seit jeher die Bevölkerung direkt mit Obst, Gemüse, Milch, Käse, Milchprodukte, Fleisch usw. versorgen. Viele, ja sehr viele arbeiten und produzieren seit langem ganz gezielt fast ausschließlich für die Südtiroler Bevölkerung. Ob man da die Marillenproduzenten und die Krautbauern im Vinschgau hernimmt oder die Beerenobstbauern im Pustertal, die vielen Schafzüchter und die Gemüsebauern in allen Landesteilen, ja sogar Brot wird aus heimischem Getreide gemacht, so wie die Kalterer Polenta. Die besten Sterneköche setzen seit Jahren auf die einheimische Produktion mit typischen Sorten und kurzen Lieferwegen. Es genügt, wenn man bewusst durch das Lebensmittelgeschäft geht, vielleicht nicht beim Discounter, aber beim ausgewählten Handel findet man nahezu jedes Lebensmittel aus Südtiroler Produktion.

 

Welche logistische Leistungen stehen auch in Corona-Zeiten hinter der Nahversorgung durch die heimische Landwirtschaft?

 

Abgesehen von den tausenden Mitarbeitern, die in unseren Genossenschaften arbeiten, sind das natürlich die Bauern selbst, die dafür sorgen, dass jeder Südtiroler frische und gesunde Lebensmittel aus heimischer Produktion bekommt. Oftmals müssen die Bauern als Sündenböcke herhalten und werden zu Unrecht kritisiert, ob das im Umgang mit der Gülle oder beim Einsatz von Pflanzenschutzmittel ist. Die Bauern bilden sich fort und garantieren mit ihrem Fachwissen, dass die Bevölkerung frisch und gesund ernährt werden kann. Natürlich kann man auch zu billigeren Produkten aus fernen Ländern greifen, wo die Kontrollen und die Produktionsstandards ganz andere sind. Man muss es aber nicht und in einer Zeit, wo man es auch nicht mehr kann, ist auf die Südtiroler Bauern Verlass.

 

Welche Einschnitte bringen die von Italien erlassenen neuen Bestimmungen zur Eindämmung des Coronavirus für Südtirols Landwirte mit sich?

 

Grundsätzlich zählt ja die Landwirtschaft in erster Linie und an erster Stelle zu den systemrelevanten Bereichen, ohne Nahrung braucht es keine Bank, keine Post und im Extremfall auch keinen Arzt. Die Bauern müssen natürlich Ihrer gewohnten Arbeit nachgehen, da weder Tiere, Pflanzen noch die Natur vom Coronavirus gebremst werden. Natürlich gibt es bei den Bauern gewisse Einschränkungen was Hilfsmittel angeht, die einfach nicht mehr geliefert werden können. Ob das jetzt das Verpackungsmaterial in den Milchhöfen ist oder gewisse Pflanzenschutzmittel im Obst- und Gemüseanbau. Wir werden versuchen unser Bestes zu geben, zu improvisieren und da wir es gewohnt sind mit der Natur zu arbeiten, die uns ja jedes Jahr vor neue Herausforderungen stellt, werden wir auch diese meistern.

 

In den vergangenen Jahren vor der Corona-Krise galt Südtirolern Verbrauchen im Bereich der Nahversorgung vieles als selbstverständlich. Wie glauben Sie wird die Zukunft der Südtiroler Landwirtschaft und auch damit verbunden jener der Nahversorgung nach der Corona-Krise ausschauen?

 

Ich glaube, dass sich vor allem politisch etwas ändern wird. Lokale, faire Produktion muss auch etwas mehr wert sein als einfach das Billigste, das man am Weltmarkt findet. Ich hoffe auch, dass sich die Einstellung zu den Bauern vonseiten der Konsumenten bessert, da sie jetzt sehen, dass sie sich verlassen können. Hoffentlich kauft man nicht mehr nur beim Discounter das billigste Produkt, sondern sucht sich seinen Bauern des Vertrauens und macht am Wochenende einen Ausflug, um sich mit Lebensmitteln einzudecken, ansonsten gibt es jetzt schon vielerorts die Bauernmärkte, das kann und sollte man auf alle Fälle noch sehr stark ausbauen.

 

Der Ausbruch des Coronavirus hat gezeigt, wie empfindlich die Wirtschaft sein kann. Als Südtirol noch vor wenigen Wochen von Deutschland als Corona-Risikogebiet eingestuft wurde, gab es sogar Stimmen, die vor dem Verzehr von Lebensmitteln aus Südtirol warnte. Welche Maßnahmen wird die Arbeitsgruppe „Zukunft der Landwirtschaft“ hierzu vorsehen, damit auch nicht der internationale Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen aus Südtirol durch Ereignisse wie die Coronavirus-Pandemie benachteiligt werden kann?

 

Die Marke Südtirol steht seit Jahrzehnten für allerhöchste Qualität. Bereits unsere Väter haben erkannt, dass wir aufgrund unserer Flächenstruktur keine Chance gegenüber der Lebensmittelindustrie in anderen Ländern haben. Eine Kellereigenossenschaft in der Nachbarprovinz füllt mehr Weine ab, als ganz Südtirol zusammengenommen, ein Bauer in der Ukraine hat mehr Fläche, als die gesamten Obstbauern in Südtirol, ein Milchviehbetrieb in Deutschland hat mehr Kühe im Stall, als in Südtirol eine ganze Talschaft zusammengenommen. Dies alles sind Punkte, die uns schon seit langem auf die Qualitätsschiene gebracht haben. Diesen Weg werden wir weiter konsequent beschreiten und mit bestem Wissen und Gewissen die besten und gesündesten Lebensmittel für uns Südtiroler und unsere Gäste direkt auf die Mittagstische bringen.

 

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