von fe 09.11.2019 11:51 Uhr

Ethnischer Zündler?

In der Debatte rund um die Plakataktion der Süd-Tiroler Freiheit meldet sich ein alter Bekannter zu Wort: Der Arzt und Regierungsberater Costantino Gallo, der in Vergangenheit mit gegen die deutschen Südtiroler gerichteten Gehässigkeiten von sich reden machte. Gallo, der vor einem halben Jahr Südtiroler als „genetisch beeinträchtigt“ bezeichnete, stellte am Freitag eine weitere, weit mehr als nur abenteuerliche These in den Raum.

Bild: cafetv24

Der Arzt und Regierungsberater Costantino Gallo ist in Südtirol kein Unbekannter. Der 55 Jahre alte 5-Sterne-Anhänger hatte sich erfolglos um den Posten des Generaldirektors des Südtiroler Sanitätsbetriebes beworben. Schlagzeilen machte Gallo zunächst damit, dass er nach der Trennung von seiner Frau, einer deutschsprachigen Südtiroler Ärztin, die gemeinsame Tochter per Gerichtsbeschluss von ihrer deutschen Schule nehmen ließ.

Beleidigungen gegen Südtiroler

Später fiel Gallo mit Beleidigungen gegen die deutschen Südtiroler auf. In sozialen Netzwerken bezeichnete er Südtirol als „Vaccaland“ und dessen Einwohner als „Ochsentreiber“ (bifolco) und „Senner“ (malgari). In einem Tweet, eine Reaktion auf die Plattform Brennerbasisdemokratie, nannte Gallo die Südtiroler „genetisch beeinträchtigt“ (geneticamente compromessi) (UT24 berichtete).

„Als öffentliche Person und Berater von höchsten Regierungsstellen absolut indiskutabel“, verurteilte Sanitätslandesrat Thomas Widmann damals Gallos Aussagen auf Anfrage von UT24. Wurde es danach zunächst ruhig um Costantino Gallo, rief er später in einem Facebook-Kommentar offen zur Gewalt gegen Schützen auf (hier nachlesen).

Südtiroler sollen das Land verlassen

Nun meldete sich Gallo wiederum zu Wort. Vor wenigen Tagen hat Giorgia Meloni, Chefin der als Rechtsextrem geltenden Partei Fratelli d’Italia, wegen des angeblich beleidigendenden Plakates der Süd-Tiroler Freiheit zu den fehlenden Deutschkenntnissen von Ärzten, einen Facebook-Post abgesetzt und gleichzeitig Strafanzeige angekündigt.

Unter dem Posting raten italienische Kommentatoren den deutschen Südtirolern scharenweise Italienisch zu lernen oder das Land zu verlassen. Auch Forderungen, das Militär nach Südtirol zu entsenden, liest man dort. Unter die Kommentatoren mischt sich auch der Arzt Costantino Gallo.

Berater mit Schwerpunkt Südtirol

„Wenn Sie vielleicht das Autonomiestatut lesen würden, würden sie entdecken, dass die offizielle Sprache im Staat die Italienische ist. Die Gleichstellung gilt nur für die Erstellung von Verwaltungsdokumenten (forse se leggesse lo statuto di autonomia scoprirebbe che la lingua ufficiale dello stato è l’italiano e c’è parificazione solo per la produzione di documenti amministrativi)“, antwortet Gallo dort einem Facebook-Nutzer.

Die Funktion Gallos als Berater des Gesundheitsministeriums mit Schwerpunkt Südtirol, macht seine Aussage umso brisanter. Denn mit dieser Behauptung will der Arzt, der vorgibt, dass Autonomiestatut zu kennen, Südtirolern das Recht auf den Gebrauch der Muttersprache offensichtlich auf die Ausstellung von Formularen begrenzen.

Gleichstellung der deutschen Sprache wirkt in allen Bereichen

Was sagt das Autonomiestatut aber genau? „Die deutsche Sprache ist in der Region der italienischen Sprache, die die amtliche Staatssprache ist, gleichgestellt. In den Akten mit Gesetzeskraft und immer dann, wenn dieses Statut eine zweisprachige Fassung vorsieht, ist der italienische Wortlaut maßgebend“, heißt es unter Artikel 99. Damit ist klar, dass nur eine einzige Einschränkung zugunsten der italienischen Sprache vorgesehen ist: Bei der Auslegung (Interpretation) eines zweisprachigen Landesgesetzes zählt im Zweifel der italienische Text.

„Art. 100 des Autonomiestatus regelt im Detail die Frage, wie Behörden mit der Sprache umgehen müssen und der wichtigste Anwendungsbereich der sprachlichen Gleichstellung ist natürlich der Sprachgebrauch der Ämter. Die Gleichstellung der deutschen Sprache wirkt deshalb in allen Bereichen auch außerhalb des Themas ‘Amtssprache’“, bestätigt der Bozner Rechtsanwalt und Generalsekretär der Südtiroler Freiheitlichen, Otto Mahlknecht, auf Anfrage von UT24.

„Ethnischer Zündler“

Laut Mahlknecht wird das Zusammenleben der Sprachgruppen mit solch „chauvinistischen Ansichten“, wie jene Gallos, sicher nicht besser. „Wer die seit Jahrzehnten unbestrittene Gleichstellung der Sprachen in Frage stellt, ist ein ethnischer Zündler“, so Mahlknecht.

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