von fe 09.11.2019 16:54 Uhr

Eine Sünde wert

Am Sonntag feiern Südtirols Grüne aller Voraussicht nach im finnischen Tampere einen großen Erfolg. Doch es gibt auch einen Wermutstropfen.

Foto: Facebook/Südtiroler Grüne

Seit 2014 gehen die Südtiroler Grünen und die italienische „Federazione dei Verdi“ getrennte Wege. Seitdem schauten sich Brigitte Foppa und Co. nach einem neuen Partner um. Auf Vorschlag der Jungen Grünen stellte die Führung einen Aufnahmeantrag bei der europäischen Grünen Partei. Dadurch erhofft man sich, neben anderweitiger Unterstützung, einen „direkten Draht zum EU-Parlament“, wie Foppa zu UT24 sagt.

Große Unterschiede zu den italienischen Grünen

Die europäischen Grünen bestehen aus den verschiedenen Grünen Parteien Europas. Splittergruppen sind nicht besonders gerne gesehen, man will die nationalen Parteien stärken. Eine Ausnahmeregelung, von der unter anderem die Schotten, die Katalanen und Belgier profitieren, ebnet der Südtiroler Regionalpartei den Weg für eine Aufnahme. „Der Hauptgrund ist, dass wir eine autonome Provinz sind und es einfach große Unterschiede zu den italienischen Grünen gibt“, sagt Foppa.

Nach einem seit Jahren laufenden Aufnahmeverfahren wird die sechsköpfige Grünen-Delegation (Brigitte Foppa, Verena Frei, Riccardo Dello Sbarba, Tobias Planer, Anna Hupel und Rogerio Portanova) am Sonntag beim Parteitag im finnischen Tampere vorsprechen und die Lokalpartei voraussichtlich zu einem vollwertigen Mitglied gewählt. Die Chancen dafür stehen überaus gut.

Klimakiller Nummer 1

Doch auch eine umweltpolitische Sünde bringt die Reise mit sich. Um nach Finnland zu kommen, griffen die Grünen auf das Flugzeug als Transportmittel zurück. Und dieses gilt nach wie vor als Klimakiller Nummer 1.

Dabei hatten sich gerade die Grünen für diese Legislaturperiode den Klimaschutz auf die Fahne geschrieben. Noch vor wenigen Monaten solidarisierten sich deren Vertreter mit der „Fridays For Future“-Bewegung. Die Landtagsabgeordneten streckten bei einer Freitagsdemonstration vor dem Landtag ein Transparent mit dem Spruch „We are with you (wir sind mit euch)“ in die Höhe.

Wasser predigen und Wein trinken?

Wasser predigen und Wein trinken? Das lässt Brigitte Foppa zumindest privat nicht auf sich sitzen. Erstmal in ein Flugzeug gestiegen ist die Landtagsabgeordnete aus Montan laut eigenen Angaben erst mit 49 Jahren, dennoch räumt sie, auf die Partei bezogen, Widersprüche ein.

„Dass eine Grüne Partei selber hinterfragen muss, wie sie ihre Treffen abhält, das ist sicher. Sonst ist man nicht glaubwürdig“, so Foppa, die ankündigte, Beschwerde über den dezentralen Treffpunkt des Parteitages einzureichen.

Auf ein anderes Transportmittel zurückgreifen

Einer der sich mit Klimaschutz beschäftigt, ist Zeno Oberkofler. Oberkofler ist Mitorganisator der „Friday For Future“-Demos in Bozen und gleichzeitig Mitglied der Jungen Grünen. Er legt aber Wert darauf, dass „Fridays For Future Southyrol“ „eine nicht parteipolitische Bewegung ist, die allen offen steht“.

Von UT24 auf die Flugreise der Südtiroler Grünen angesprochen sagt Oberkofler: „Man muss weniger dem Einzelnen den Schwarzen Peter zuschieben, sondern auf das System schauen, dass Flugreisen so günstig macht“. Laut Oberkofler sollte es aber im Interesse eines jeden sein, unabhängig von der Partei, auf ein anderes Transportmittel zurückzugreifen. Darauf wird auch auf der kommenden „Friday For Future“-Demonstration am 29. November in Bozen erneut hingewiesen, wo sich vermutlich auch wieder das eine oder andere grüne Delegationsmitglied unter die protestierende Menge mischen wird.

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