von ih 08.11.2019 09:41 Uhr

„Viel zu ernst, um sich darüber lustig zu machen“

Dass es in Südtirol sehr viele Ärzte gibt, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind, ist bereits seit längerer Zeit bekannt. So ist es in Vergangenheit immer wieder zu Zwischenfällen gekommen, bei denen die deutsche Bevölkerung im Land den Kürzeren ziehen musste (UT24 berichtete). Eine neue Plakataktion hat die seit Jahren bestehende Problematik wieder zur Diskussion gemacht. In politischen Kreisen scheint man sich aber längst damit abgefunden zu haben, dass die Verwendung der eigenen Muttersprache nicht mehr das Wichtigste ist, wie UT24 herausfand.

Mit einer Plakataktion hat die Süd-Tiroler Freiheit das Problem um einsprachige Ärzte im Land thematisiert - Foto: STF

„Das Thema ist viel zu ernst, um sich darüber in der Öffentlichkeit nur lustig zu machen“, bemängelt eine Insiderin aus dem Sanitätswesen gegenüber UT24 die entstandene Debatte um einsprachige Ärzte im Land. So sei es längst gängige Praxis, dass viele Ärzte in Südtirols Krankenhäusern nicht Deutsch sprechen. Einige würden sich sogar vehement dagegen wehren, die Sprache zu erlernen.

„Vor allem die Ärzte, die von Italien heraufgekommen sind, vertreten oft die Meinung, dass sie kein Deutsch brauchen. Wir leben ja sowieso in Italien, also wieso sich den Aufwand machen? Ich finde das sehr traurig, dass man es nicht als Bereicherung sieht, eine weitere Sprache zu erlernen oder überhaupt erst zu sprechen. Für die Patienten ist das auch keine feine Sache“, erklärt die Frau, die anonym bleiben möchte.

Kein ernsthafter Diskurs

Landesweit hängen derzeit Plakate, die einen Verstorbenen mit der Überschrift „Der Arzt konnte kein Deutsch…“ zeigen. Unter dem Bildmotiv die Feststellung „Um Patienten zu verstehen und gut zu behandeln, müssen Ärzte in Südtirol Deutsch können!“. Mit dieser Plakataktion hat die Süd-Tiroler Freiheit das Thema um einsprachige Ärzte im Land neu entfacht (UT24 berichtete).

Doch anstatt sich ernsthaft mit der Problematik auseinanderzusetzen, die hinter diesen Plakaten steckt, gibt es von politischer Seite vor allem Hohn und Spott für die Aktion. „So nicht! Das ist nicht Südtirol, das ist keine Freiheit! Das sind auch keine Tiroler!“, lässt sich etwa der SVP-Abgeordnete Gert Lanz auf Facebook über die Kampagne aus.

Lanz (SVP): „Darauf muss man nicht eingehen“

Angesprochen von UT24 auf sein Wut-Posting holt Lanz ein weiteres Mal zum Rundumschlag gegen die Süd-Tiroler Freiheit und Sven Knoll aus. Für ihn sei dies lediglich eine Provokation.

„Wir haben ja auch Busfahrer, Zugfahrer und Personal in den Gasthäusern die nicht mehr Deutsch sprechen“, so Lanz. Man solle deshalb doch froh sein, überhaupt diese Leute da zu haben. Andernfalls müssten nämlich „alle zusperren“.

Wie das Problem aber angepackt und gelöst werden kann, konnte Lanz nicht beantworten. „Ich glaube, auf diese Provokationen muss man politisch gar nicht eingehen“, so seine Schlussfolgerung.

Grillo-Partei fühlt sich beleidigt

Ebenso wenig für die Lösung der Problematik übrig scheint der Movimento 5 Stelle in Südtirol zu haben. So fühlte sich der Landtagsabgeordnete Diego Nicolini durch die Plakate „Der Arzt konnte kein Deutsch“ dermaßen beleidigt, dass er sich kurzerhand dazu entschloss, Anzeige beim Landesgericht in Bozen zu erstatten.

Eine Anfrage von UT24 bei der Grillo-Partei, um Einsicht in den genauen Wortlaut der Eingabe zu erhalten, die beim Landesgericht eingereicht wurde, blieb unbeantwortet.

Die Erfolgsaussichten der Anzeige dürften laut Informationen eines Rechtsexperten aber sehr gering sein. An der Tatsache, dass viele Südtiroler in den Krankenhäusern weiterhin nicht Deutsch sprechen können, hat sich dadurch ebenso wenig verändert.

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  1. TikTakTikTak
    08.11.2019

    Lanz Lanz Lanz… schon als LVH-Mitglied mußte ich stets die Faust im Hosensack ballen, hab mich schon so oft gefragt woher sie eigentlich kommen, vom Mond oder Mars… ich weiß nicht.
    Die 5Sterne hingegen, na ja, da braucht man sich keine Sorgen zu machen, die sind ja eh bald weg vom Fenster. Dauert nicht mehr lange. Bei den nächsten Wahlen müßen sie überhaupt schauen, daß sie die 4-5%-Hürde schaffen… Gott sei dank.

    • Diandl
      08.11.2019

      … und ich hatte immer die Handwerker in Verdacht, daß sie diesen Mann in den Landtag gehievt haben, in der Hoffnung, daß er sich dort für ihre berechtigten Interessen stark macht. Da muß ich mich bei ihnen glatt entschuldigen.
      Vom Lanz habe ich noch nie etwas Positives gehört. Aber wenn er es schafft, mit seinem fürstlichen Landtags-Gehalt seinen maroden Betrieb zu sanieren, dann gibt es vielleicht doch einmal etwas Positives zu berichten.

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