von ih 08.11.2019 12:07 Uhr

„Das ist eine Katastrophe!“: Kinderalarm-Gesetz sorgt für Chaos in Südtirol

Seit Donnerstag dürfen Eltern mit ihren Kleinkindern nicht mehr Auto fahren, wenn kein Alarmsystem in den Kindersitzen installiert worden ist. Ein Umstand, der für die betroffenen Eltern sehr umständlich ist und Geld kostet. UT24 hat herausgefunden, wie sehr sowohl Eltern als auch Geschäftstreibende von dem staatlichen Gesetz überrumpelt worden sind. Und dass mittlerweile alle Geräte in Südtirol vergriffen sind.

Symbolbild Pixabay

In dem Babyausstattungsgeschäft „Kinderwelt“ in Tscherms herrscht derzeit der Ausnahmezustand. Viele Eltern stehen sprichwörtlich Schlange, um sich das zwischen 69 und 79 Euro teure Ergänzungsset für den Kindersitz zu besorgen. Dieses ist bekanntlich seit Donnerstag Pflicht und löst jedes Mal einen Alarm aus, sobald das Auto abgestellt wird – um bloß nicht das eigene Kind im Auto zu vergessen (UT24 berichtete).

Florian Garber, der Inhaber der „Kinderwelt“ ächzt bereits jetzt im Gespräch  mit UT24: „Das ist eine Katastrophe, auf die wir nicht vorbereitet waren! Ursprünglich war nämlich der 6. März als Termin für das Gesetz anberaumt. Und von heute auf morgen hat der Staat das Ganze in den November verschoben inklusive der ganzen vorgesehenen Strafen“.

Gerade deshalb, weil die Polizei bereits jetzt saftige Strafen bis zu 326 Euro verteilen darf, laufen die Telefone im Geschäft von Garber zurzeit heiß. Trotz der hohen Nachfrage kann er aber längst nicht alle Eltern mit dem verpflichtenden Ergänzungsset versorgen.

Ansturm war für Geschäfte zu groß

„Wir haben uns nicht mehr wehren können und bereits alles ausverkauft. Kein einziges Stück ist mehr da. Wie ich gehört habe, gibt es sogar in ganz Südtirol keines mehr. Jetzt müssen wir eine Woche lang auf Nachschub warten. Den Leuten, die eh schon nervös sind, ist damit auch nicht geholfen“, ärgert er sich.

Probleme haben dadurch auch die Lieferanten in ganz Italien, die von dem plötzlichen Ansturm durch die Terminverschiebung des Gesetzes ebenso überrascht wurden. So können die einzelnen Geschäfte zwar die notwendige Anzahl, die sie benötigen bestellen – ob sie diese aber auch tatsächlich bekommen, weiß keiner so genau.

Selbst nach dem Kauf wird es umständlich

Doch selbst jene Eltern, die sich ein solches Set noch rechtzeitig sichern konnten, sind vor Probleme gestellt. Besonders dann, wenn sich gleich zwei Kindersitze im Auto befinden. Dann nämlich muss ein zusätzlicher Adapter für den Zigarettenanzünder – über die der Alarm läuft – angekauft werden.

Denn, so Garber, „pro Kind muss jeweils ein System gekauft werden“. „Es gibt allerdings auch ein zweites System, das über einen Kabel und ebenfalls über den Zigarettenanzünder läuft. Damit kann ich hinten beide Sitze zusammenschließen und ein Kabel verläuft dann nach vorne, der an einem einzigen Zigarettenanzünder angeschlossen wird“.

In Süditalien kennt man das System nicht

Was Garber jedoch am meisten verärgert: als er kürzlich bei einer Bekannten in Süditalien nachgefragt hat, wie dort die Umsetzung des Systems mit dem Kinderalarm läuft, habe er ahnungslose Blicke erhalten.

„Die haben nicht einmal gewusst, dass es dieses System überhaupt gibt. Selbst in den Geschäften in Sizilien gibt es dieses Alarmsystem nicht zu kaufen. Das sind ja fast zwei Welten, muss man fast sagen. Da bin ich dann gespannt, wie sehr sie bei uns strafen und wie viel da unten“, so Garber.

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