von fe 23.10.2019 21:00 Uhr

Objektive Umfrage?

Das Ergebnis einer Doppelpass-Umfrage sorgt am Mittwoch für Aufsehen. „Die Südtiroler sind nicht an der österreichischen Staatsbürgerschaft interessiert“, kommen die Autoren der Studie zum Schluss, obwohl sich hinter den Zahlen eigentlich eine Erfolgsmeldung verbirgt. Doch wer sich die Namen des Forschungsteams genau anschaut, darf nicht auf die nötige Unvoreingenommenheit hoffen.

Nach einer repräsentativen Umfrage kommt das Bozner Meinungsforschungsinstitut Apollis zum Ergebnis, dass 60 Prozent der befragten Südtiroler (darunter auch Italiener!), die doppelte Staatsbürgerschaft nicht beantragen würden. „Österreichische Staatsbürgerschaft? Nein, danke“, lässt der Auftraggeber, die Michael-Gaismair-Gesellschaft, am Mittwoch verlauten. Bereitwillig greifen Medien in Österreich und Italien diese Meldung auf. „Südtiroler wollen keine Österreicher werden“, heißt es dann beispielsweise beim Standard.

Doppelpass-Erfolg unter den Tisch gekehrt

Die eigentliche Erfolgsmeldung, die bei genauerem Hinsehen in der Umfrage steckt, bleibt weitgehend unbeachtet. Denn der Studie zufolge gaben 34 Prozent aller Befragten (inklusive Italiener) an, sich vorstellen zu können, die österreichische Staatsbürgerschaft zu beantragen. Aufgerechnet auf die zuletzt Wahlberechtigte Bevölkerung bedeutet dies in absoluten Zahlen: Mehr als 130.000 Südtiroler würden den Doppelpass beantragen. Eine beachtliche Anzahl und damit weitaus mehr Menschen, als jene, die bei den jüngsten Landtagswahlen das Listenzeichen der Südtiroler Volkspartei angekreuzt haben (119.000).

Erwähnt wurde diese, vielleicht bahnbrechende, Neuigkeit von den Studien-Autoren nicht. Um zu verstehen, warum die Umfrage nur in eine, für den Doppelpass negative Richtung, interpretiert wurde, gilt es Auftraggeber und Forschungsteam genauer unter die Lupe zu nehmen.

Vorbelastete Autoren

Zum Forschungsteam gehören Max Haller, Günther Pallaver und Francesco Palermo. Alle drei gelten in patriotischen Kreisen als absolute Gegner des Doppelpasses. In einem Artikel auf dem Online-Portal Salto stellte der Universitätsprofessor Max Haller bereits im Jahr 2017 eine mögliche soziale Spaltung in der Raum. Haller ließ sich in seinem Gastbeitrag sogar dazu hinreißen, ein mögliches Kriegsszenario zwischen Österreich und Italien an die Wand zu malen, bei dem sich der Doppelpass als besonders negativ herausstellen könnte. „Im Extremfall könnte dies im Falle eines Krieges dazu führen, dass Südtiroler gegen Südtiroler kämpfen müssten“, so Haller.

Auch der ehemalige Partito-Democratico-Senator Francesco Palermo äußerte sich immer wieder skeptisch zum Doppelpass. Laut einem Medienbericht hatte der Universitätsprofessor behauptet – obwohl die Besteuerung an den Lebensmittelpunkt geknüpft ist – dass die Südtiroler im Falle einer doppelten Staatsbürgerschaft eine Sonderbehandlung brauchen würden, um nicht in Österreich und Italien doppelt zur Kasse gebeten zu werden.

Alles aus einer Hand

Die dritte Personalie vereint gleich zwei Funktionen in einer. Der Universitätsprofessor Günther Pallaver hat zum einen als Forscher an der Umfrage mitgearbeitet, zum anderen könnte er sie vielleicht sogar selbst in Auftrag gegeben haben. Denn Pallaver ist der Vorsitzende der Michael-Gaismair-Gesellschaft.

„Ganz alltäglich ist es nicht, dass Auftraggeber und Forscher sich personell überschneiden“, sagt ein Experte zu UT24. „Es gilt hier auch nicht, die von Apollis sicherlich seriös durchgeführte Umfrage in Zweifel zu ziehen, aber die Leseart und die Schlüsse die im dazugehörigen Bericht daraus gezogen werden, sind abenteuerlich bis tendenziös.“

Projektleiter Hermann Atz (Apollis) und Günther Pallaver waren am Mittwoch nicht erreichbar.

Jetzt
,
oder
oder mit versenden.

Möchtest du die neuesten Meldungen auch auf Facebook erhalten?

Hier
klicken

  1. Benni
    24.10.2019

    Aber ihr als ja so unabhängiges Forum nehmt euch immer wieder mal heraus irgendwelche Umfragen zu veröffentlichen.
    Ihr werdet zu hundert Prozent von Schützen und der Südtiroler Freiheit finanziert und werft anderen vor nicht objektiv zu sein??
    Wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steinen werfen…..

Es gibt neue Nachrichten auf der Startseite