von ih 06.12.2018 15:02 Uhr

Sepp Kerschbaumer: Seine Tapferkeit bleibt unvergessen

„Die Freiheiten, die für uns am Himmel hängen, genügen nicht; es braucht Männer, die sie herunter holen“ – Freiheit, ein Wort, das für Sepp Kerschbaumer eine zentrale Rolle spielte. In den 1950/60er Jahren kämpfte Kerschbaumer gegen die Ungerechtigkeiten, die in Südtirol gegenüber der deutschen und ladinischen Sprachgruppe vorherrschten. Schon 1964 starb der Südtiroler Freiheitskämpfer im Alter von nur 51 Jahren. Daran erinnert Melanie Mair von der Jungen Süd-Tiroler Freiheit.

Fotomontage: STF

Sepp Kerschbaumer ist eine der Persönlichkeiten in der jüngeren Geschichte Südtirols, der unser Land so einiges zu verdanken hat. In den 1950/60er Jahren, als die Tiroler Kultur und Traditionen nicht mehr ausgeübt werden durften und die Italiener der deutsch- und ladinisch-sprachigen Minderheit in Südtirol in verschiedensten Bereichen bevorzugt bzw. privilegiert wurden, zeigte der aus Frangart stammende Kerschbaumer Tapferkeit, indem er gegen diese Ungerechtigkeiten ankämpfte. Deshalb gründete er mit einigen Gleichgesinnten den Befreiungsausschuss Südtirol (BAS).

Schon seit Beginn an war er der wichtigste Mann dieser Organisation. Er war einfach und bescheiden und wirkte wie eine Vaterfigur auf die weiteren Mitglieder. Zudem hatte er einen gesunden Hausverstand, einen politischen Spürsinn und eine natürliche Überzeugungskraft. In mehreren Briefen legte er seine Meinung dar und forderte die Politik auf, sich stärker für die Rechte der Südtiroler einzusetzen. Nachdem er öffentlich die Tiroler Fahne, z.B. vor der Frangarter Heimatkirche, hisste, wurde er verhaftet und kam zum ersten Mal in Kontakt mit späteren Südtirolaktivisten. 1960 schaffte er es erstmals Bruno Kreisky in Wien zu treffen und seine Anliegen vorzubringen.

Die Lage in Südtirol verschlechterte sich aber weiterhin, weshalb es in der Nacht vom 11./12. Juni 1961, am Herz Jesu-Sonntag, zur Feuernacht kam, in welcher rund 40 Strommasten in Südtirol gesprengt wurden. Auf die Herz-Jesu-Nacht folgte eine große Verhaftungswelle, von welcher auch Sepp Kerschbaumer nicht verschont wurde. Folglich wurde Kerschbaumer inhaftiert und von den Carabinieri auf grausamste Weise gefoltert. Im Laufe des Mailänder Prozesses nahm Sepp Kerschbaumer alle Schuld auf sich und beeindruckte somit sowohl Staatsanwalt als auch Zivilkläger. Schließlich wurde er zu 15 Jahren und 11 Monaten Haft verurteilt, was die höchste Strafe unter den Inhaftierten war.

Am 7. Dezember 1964 starb der Anführer des BAS im Alter von 51 Jahren im Gefängnis von Verona. Zu seiner Beerdigung strömten 20.000 Menschen aus allen Teilen Tirols, sogar der damalige Landeshauptmann Silvius Magnago erwies ihm die letzte Ehre.

„Auch heute noch wird alljährlich am 8. Dezember ein Gedenktag in St. Pauls/Eppan für Sepp Kerschbaumer und für alle verstorbenen und noch lebenden Tiroler Freiheitskämpfer abgehalten. Durch die Teilnahme an der Gedenkfeier wollen wir unseren Respekt und unsere Verbundenheit gegenüber dieser tapferen Tiroler ausdrücken, denn für ihren selbstlosen Einsatz für unsere Heimat Tirol können wir ihnen nicht genug danken! Deshalb, liebe Landsleute, kommt nach St. Pauls und lasst uns an diesem Tag dieser ehrlichen und tapferen Tiroler gedenken!“, so Melanie Mair von der Jungen Süd-Tiroler Freiheit.

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