von fe 13.03.2018 11:43 Uhr

Was Verbraucher wünschen und warum die Netzwerkökonomie nicht mehr aufzuhalten ist

Am Freitag, den 9. März 2018, hat in der Kellerei Meran Burggräfler in Marling die Tagung der landwirtschaftlichen Genossenschaften stattgefunden. Das Motto lautete: „Im Spannungsfeld zwischen Verbraucherwünschen und Lebensmittelerzeugung. Interessen. Emotionen. Innovation.“ Für die zweite Ausgabe dieser Tagung hatte der Raiffeisenverband Südtirol drei Referenten zu aktuellen Themen eingeladen: künftige EU-Agrarpolitik, erfolgreiche Verbraucherkommunikation und zunehmende Digitalisierung der Landwirtschaft im vernetzten Zeitalter.

Der vollbesetzter Saal in der Kellerei Meran Burggräfler in Marling: Landesrat Arnold Schuler in der ersten Reihe.

Nach der Begrüßung durch den Obmann des Raiffeisenverbandes, Herbert Von Leon, nahm Johann Költringer, Leiter der Abteilung Wirtschafts-, Agrar- und Europafragen im Österreichischen Raiffeisenverband, die zukünftige Agrarpolitik in Europa unter die Lupe. Die Europäische Agrarreform (GAP) wird derzeit neu verhandelt und es stellt sich die Frage, ob sie der Land- und Ernährungswirtschaft auch gerecht wird. Schon jetzt ist klar, dass die spürbar verstärkte Nachhaltigkeits- und Umweltorientierung der Konsumenten einfließen wird.

„Die Klimaziele sind in den ersten Konzepten zur neuen Vereinbarungen drinnen“, sagte Költringer, der bereits Einblick in die Papiere hatte. Nachhaltigkeit, Umwelt, das Wohl der Tiere und die Landschaftspflege werden darin ebenfalls aufgegriffen. Er gab einen kurzen Ausblick über die Auswirkungen des Brexit und über die internationale Verträge der GAP und resümierte: „Letztendlich geht es darum, die Bedingungen für die landwirtschaftliche Produktion, die Konsumentenwünsche und die allgemeinen Trends gemeinsam unter einen Hut zu bringen.“

Verbraucherkommunikation auf Augenhöhe

Der Vortrag von Manuela Schürr, Leiterin der Unternehmenskommunikation, AMA Agrarmarkt Austria Marketing GesmbH lautete: „Sagen, was Sache ist. Die Realität ist den Konsumenten zumutbar.“ Darin wurde rasch klar, dass die meisten Menschen noch immer ein Bild von der Landwirtschaft im Kopf haben, das mit der Realität der modernen landwirtschaftlichen Produktion nicht übereinstimmt. Diese Diskrepanz verunsichere Verbraucher, sagte Schürr: „Da bleibt kein Spielraum mehr, um bei wirklichen Skandalen in der Branche zu reagieren.“ Die AMA-Marketingexpertin setzt in ihrer Arbeit auf ehrliche und transparente Information auf Augenhöhe mit den Verbrauchern und Medien, nur so stelle sich Glaubwürdigkeit und Vertrauen ein.

Digitale Transformation – mehr als ein Modewort

Klemens Skibicki, Professor für Economics, Marketing und Marktforschung an der Cologne Business School in Köln, referierte zum Thema: „Landwirtschaft im digital vernetzten Zeitalter- richtig verstehen oder untergehen?“ Gleich zu Beginn machte er klar: „Der durch die Digitalisierung eingeleitete Strukturwandel ist nicht mehr rückgängig zu machen und nicht mehr aufzuhalten. Das digital vernetzte Zeitalter der Netzwerkökonomie bringt neue Chancen, Regeln und eine neue Unternehmenskultur mit sich“, so der Experte. Dies zu erkennen und anders zu handeln, ist ein Gebot der Stunde. Dafür müssen auch Unternehmensprozesse neu, d.h. nicht mehr linear, angeordnet, und verstärkt auf Kundenwünsche ausgerichtet werden. Skibicki: „In der Netzwerkökonomie bestimmt der Beste im Netzwerk den Standard, nicht nur jener in der Branche.“ Alle anderen Unternehmen müssen sich an diesem Standard messen, weil es sich die Kunden erwarten. Überhaupt steht der Mensch wieder mehr im Mittelpunkt: „Mitarbeiter und Freunde werden zu Marken-Botschaftern, sie beeinflussen die Kaufentscheidungen massiv und sollten daher auch in die digitale Unternehmenskommunikation eingebunden werden.

Der Generaldirektor des Raiffeisenverbandes, Paul Gasser, betonte in seinen Abschlussworten, wie gut sich die Unternehmensform Genossenschaft eignet, die Herausforderungen der Zukunft zu meistern und wie wichtig es für die zukünftige Orientierung sei, sich mit neuen Impulsen und Best-Practice-Beispielen auseinanderzusetzen.

Die Veranstaltung klang gemütlich mit einer Weinverkostung und einem Buffet aus. Für das kommende Jahr ist eine weitere Tagung für landwirtschaftliche Genossenschaften geplant.

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