von fe 13.03.2018 16:54 Uhr

Messerattacke: Täter hegt Sympathie für politischen Islam

Der Mann, der in der Nacht auf Montag mit einem Messer einen Wachsoldaten vor der Residenz des iranischen Botschafters in Wien-Hietzing attackiert hat und von diesem erschossen worden ist, hegte Sympathie für den politischen Islam. Das sagte die Generaldirektorin für die Öffentliche Sicherheit, Michaela Kardeis, am Dienstag. Es sei aber zu früh, daraus auf das Motiv zu schließen.

Symbolbild: Flickr/Metropolico.org

Die Auswertung des bei der Durchsuchung der Wohnung des Messerangreifers sichergestellten Materials werde noch ein paar Tage in Anspruch nehmen, sagte Kardeis bei einer Pressekonferenz. Es gehe in erster Linie darum, die “Social-Media-Kommunikation” des Mannes zu “filtern”. Derzeit lasse sich sagen, dass “er eindeutig Sympathie für den politischen Islam hatte”.

Das bestätigte auch der Wiener Polizeisprecher Harald Sörös unter Berufung auf die Ermittler des Landesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung. Die Polizei wollte sich aber noch nicht darauf festlegen, ob diese Sympathie Rückschlüsse auf das Tatmotiv zulässt. Denn man fand zwar unter anderem auf seiner Facebook-Präsenz Material, das seine Affinität für den politischen Islam belegt. “Aber sein Facebook-Profil ist seit 2006 nicht mehr wirklich upgedatet worden”, sagte Sörös.

Einschlägig aufgefallen ist Mohamed E. – so der Name des erschossenen Österreichers mit ägyptischen Wurzeln – nicht. Es gab bei ihm lediglich eine polizeiliche Auffälligkeit: Sein Name taucht bei einem Automaten-Einbruch im November 2017 auf. Es gab aber keine Verurteilung, offenbar auch keinen Prozess.

Klar ist mittlerweile, dass der Soldat vier Schüsse auf den 26-Jährigen abgegeben hat, nachdem der Einsatz von Pfefferspray gegen den Messerangreifer nicht geholfen hatte. Wie viele trafen und wie viele tödlich waren, sollte bei der Obduktion festgestellt werden. Das Ergebnis lag noch nicht vor.

Die Ermittler werten nun bei einer Hausdurchsuchung sichergestellte Datenträger sowie das Handy des Erschossenen aus. Dazu erhoffen sie sich weitere Aufschlüsse von den Einvernahmen des Soldaten sowie von den Verwandten des 26-Jährigen, die noch am Dienstag erfolgen sollten. Am Montag waren die Eltern und die Schwester von Mohamed E. geschockt. “Sie konnten sich das überhaupt nicht erklären”, schilderte Sörös die erste Reaktion der Familie.

Mohamed E. leistete 2012 selbst seinen Grundwehrdienst beim Bundesheer ab. Er ist 2012 als strenggläubiger Muslim bei der Garde in Wien eingerückt, sagte das Verteidigungsministerium auf APA-Anfrage am Dienstag. Solche strenggläubigen Muslime beim Bundesheer gibt es im Schnitt 30, so ein Sprecher. Diese dürfen fünf Mal am Tag beten, bekommen ein eigenes Essen, dürfen sich einen Bart wachsen lassen, dürfen die Gebetsräume nutzen und bekommen an islamischen Feiertagen dienstfrei.

Das Bundesheer evaluiert unterdessen den Assistenzeinsatz des Bundesheeres vor diplomatischen Vertretungen. Ministeriumssprecher Michael Bauer sagte am Dienstag zur APA, es gehe darum, ob und wie der Einsatz verbessert werden kann. Im Raum stehen etwa Nachbesserungen bei der Ausrüstung, zum Beispiel Kugelschutzwesten oder eine Änderung bei der Bewaffnung. Der Assistenzeinsatz insgesamt steht laut Gerold Fraidl, Sprecher von Verteidigungsminister Mario Kunasek (FPÖ) nicht infrage. “Davon kann derzeit überhaupt keine Rede sein”, betonte er auf Anfrage der APA.

Die Soldaten des Bundesheeres bekamen indes am Dienstag den Befehl, sich zu tarnen. Sie dürfen die Kasernen nur mehr in Zivilkleidung verlassen. Das geht aus einem Befehl des Kommandanten der Landstreitkräfte, Franz Reißner, der der APA vorliegt, hervor. “Bewegungen außerhalb militärischer Liegenschaften zum bzw. vom Dienst haben bis auf weiteres grundsätzlich in Zivilbekleidung zu erfolgen”, heißt es dort. Weiters sollen sämtliche wachdienstversehende Soldaten frühestmöglich mit Helm und Splitterschutzwesten ausgestattet werden.

“Aufgrund der aktuellen Ereignisse können weitere Angriffe auf uniformierte Personen vorerst nicht ausgeschlossen werden.” Mit den Maßnahmen soll die militärischen Sicherheit erhöht werden, heißt es in dem Schreiben.

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