von ih 17.11.2017 12:30 Uhr

„Eine Schar an Arschlöchern“ – Philipp Burger im UT24-Interview

In ihrem neuen Musikvideo setzen sich die Deutschrocker von Frei.Wild mit einem besonders brisanten Thema auseinander: den Anfeindigungen gegenüber ihren Fans, die manchesmal sogar in Gewalt ausarten (hier geht es zum Artikel). Im Gespräch mit UT24 verrät Frontmann Philipp Burger, wie „antiwillkommen“ sich seine Band tatsächlich fühlt.

Philipp Burger von Frei.Wild (Symbolbild) - Foto: FW


UT24:
Gewaltattacken gegen Fans, Musiker die wegen euch Festivals absagen, und zuletzt sogar eine Gewerkschaft, die gegen eure Band mobil macht. Wie „antiwillkommen“ fühlen sich Frei.Wild tatsächlich?

Kommt darauf an, wo man hin schaut – wie immer im Leben. Ich sage es aber mal so: in unseren Kreisen und Familien fühlen wir uns aufgenommen, geliebt und mehr als nur herzlich willkommen. Würde man aber das große Musikbusiness Deutschlands samt ihren ehrenwerten Toleranz- und Meinungsfreiheits- Künstlern eine Party organisieren lassen, dann wären wir wahrscheinlich nicht die Allerersten, die eine Einladungskarte erhalten würden. Vorher und lieber würde man wahrscheinlich mit Mördern und anderen Verbrechern tanzen (lacht).

UT24: Während ihr in Südtirol mittlerweile große Anerkennung erntet, sind die Anfeindungen in Deutschland besonders groß. Woran liegt das eigentlich?

Ich denke, auch hier muss man unterscheiden. Natürlich gibt es auch hierzulande Menschen, die Frei.Wild mit Skepsis sehen. Menschen, die uns somit auch nicht gerade mögen oder supporten. Was aber auch völlig ok, und uns ehrlich gesagt, auch sch….egal ist. Alles andere wäre ebenso schlimm. Dass Frei.Wild hier in unserem Land aber aus einem ganz anderen Fokus betrachtet wird, liegt glaube ich an mehreren Faktoren. Zum einen muss man ganz klar sagen, dass die Frei.Wild „Antiwillkommens- Kultur“ ja wirklich vor allem von der Plattenindustrie und der bundesdeutschen Medienwelt als Spielball benutzt wurde. Einfach um auf der einen Seite Quote, und auf der anderen Seite Werbung für die eigenen Bands zu erlangen. Bands und Künstler, die durch einen Bash gegen Frei.Wild automatisch auf Akzeptanz und wiederum Mediensupport setzen konnten. Auf der anderen Seite ist es ganz sicher auch das Alpen Flair, sind und waren es unsere Konzerte, vielleicht aber auch unser Laden in Brixen. Möglicherweise war es aber auch die nicht seltene Präsenz von uns selbst. Aber auch unsere Fans haben hier einen wichtigen Beitrag geleistet und gezeigt, dass wir doch alle echt anständige Menschen sind.

UT24: Zwei eurer Fans sind vor knapp zwei Monaten in Leipzig gewalttätig angegriffen worden. Ihr habt damals angekündigt, dass ihr Kontakt zu den beiden aufnehmen wollt. Wie ist der Stand der Dinge?

Der Stand ist, dass wir Kontakt haben und die beiden Gott sei Dank wieder wohlauf sind. Es ist Fakt, dass die beiden im Krankenhaus lagen, und echt übelst hart und feige verdroschen wurden – weil sie einen Frei.Wild-Pulli trugen. Ebenso ist es Fakt, dass die beiden heute noch mehr zu Frei.Wild stehen, als je zuvor. Diese Art von diesen linksautonomen „Freiheitskämpfern“ zeigt, wie sehr es diesen Individuen (Achtung Ironie!) um Nächstenliebe, um den Mensch mit eigenen Vorlieben und Gedanken geht, und zeigt uns mehr als je zuvor, mit welcher Schar an Arschlöchern wir es seit nunmehr 16 Jahren zu tun haben. Eines ist klar: Diesen Hass auf uns und unsere Fans haben sich, und das unterstreiche ich, die permanent Hass-streuenden „ Experten“, „Kritiker” und Frei.Wild-Gegner auf die Fahne zu schreiben. Niemand sonst, und wenn sie ehrlich sind, dann geben sie dies auch endlich zu.

UT24: Aber nun wieder zurück zur Musik: Die Veröffentlichung eures neuen Albums rückt immer näher. Welchen spannenden Themen habt ihr noch im Gepäck?

Es wird auch dieses Mal eine enorme Spannbreite an Themen geben. Ich möchte jetzt aber auch nicht auf die ganze Heerschar an Songs eingehen. Eines aber kann ich sagen: die Lieder sind mit allen Inhalten gewürzt, die eine gute, ehrliche und sicher auch hart diskutierte Rockplatte braucht. Genau das war das Ziel, und genau das haben wir umgesetzt.

UT24: Was unterscheidet euer kommendes Album „Rivalen und Rebellen“ konkret von seinen Vorgängern?

Ich glaube, es ist echt erneut die Qualität. Auch beim jetzt elften Studioalbum haben wir das Gefühl, einen Weg gefunden zu haben, der unser Album mit einigen verbesserten Inhalten, Nuancen, Texten, Rhythmen, und Versuchen einen Schritt besser gemacht hat. Ich glaube, eine einzige Sorge haben wir echt nicht: Dass dieses Album in irgendeiner Form abkacken und missfallen könnte (lacht). Nein, im Ernst: „Rivalen und Rebellen“ wird ein echt unglaublich gutes Werk. Genau wie die anderen Alben vorher auch, nur eben um diese drei bis fünf Prozent besser. Und dann wären wir schon wieder bei der Hundert-Prozent-Qualität, die wir immer haben (lacht).

UT24: Vielleicht ein paar abschließende Worte für alljene Fans, die aufgrund ihrer Lieblingsband Frei.Wild, bereits Anfeindungen ausgesetzt waren!?

Lasst euch nicht beirren, alles wird gut. Wir alle wissen, dass es tausende andere Bands gibt, wegen denen euch keiner auf den Sack geht. Bands, die aber auch keinem auf die Füße treten, und die sicher auch gute Lieder schreiben – aber eben durch Belanglosigkeit glänzen. Wir wissen aber auch, dass es nur eine Band gibt, wo es sich auszahlt, genau solche Gegenwinde zu ertragen. Und das sind nicht wir alleine. Das sind wir, das seid ihr alle. Diejenigen, die sich in diesen Lieder vereinen, und sich unter diesem Geweih mit ihren Schwächen, Stärken, und Ansichten wohl fühlen. Lasst uns deshalb unsere Segel auch weiterhin in den Wind halten und jeden Ton, jeden Moment, jeden Augenblick zufrieden und gemeinsam erleben. Auch genießen. Und zwar so, wie es sich am besten anfühlt: als Rivalen und Rebellen.


Das neue Musikvideo von Frei.Wild zum Lied „Antiwillkommen“:


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