von apa 12.07.2016 09:14 Uhr

Abriss von Hitler-Geburtshaus in Schwebe

Die Besitzerin des Hitler-Geburtshauses wird enteignet. Eine entsprechende gesetzliche Regelung hat der Ministerrat am Dienstag beschlossen. Geht es nach Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) soll das Gebäude in Braunau am Inn in der Folge abgerissen werden. Entschieden ist freilich noch nichts, denn Kanzler und Vizekanzler sind gegen einen Abriss.

APA (Archiv)

Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) sprach nach dem Ministerrat von praktischen Problemen, die sich durch den Denkmalschutz ergäben. Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) stellte überhaupt gleich fest, dass das Gebäude aus diesem Grund nicht abgerissen werden könne. Ihm schwebt nach der Enteignung der derzeitigen Besitzerin ein Projekt mit “pädagogischem Wert” vor, etwa ein Museum.

Bereits vor einiger Zeit waren Bedenken in Sachen Denkmalschutz aufgekommen. Der Innenminister teilt diese aber nicht. Seines Wissens sei dies ein Denkmalschutz, der in der Nazizeit verfügt worden sei: “Die Denkmalwürdigkeit ist nicht gegeben.”

Sobotka verwies darauf, dass schon seit einiger Zeit eine Kommission tage, die sich mit einer möglichen Nutzung der Immobilie beschäftige. Sobald die Enteignung rechtskräftig ist, müssten von dieser Seite Vorschläge auf den Tisch kommen. Bei seinem Wunsch nach einem Abriss sieht sich Sobotka jedenfalls breit unterstützt, beispielsweise von der jüdischen Gemeinde.

Der Leiter des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstands (DÖW), Gerhard Baumgartner, forderte indes im Ö1-“Morgenjournal”, dass der Platz, auf dem das Hitler-Haus steht, völlig entpolitisiert und zum Beispiel ein Supermarkt an der Stelle gebaut wird. Der Verlust durch einen Abriss sei ein minimaler, außerdem müsse verhindert werden, dass das Haus zu einer Pilgerstätte für Neonazis wird.

Der internationale Denkmalpflege-Beirat ICOMOS, der das UNESCO-Welterbe-Komitee berät, sprach sich gegen einen Abriss aus. Österreich solle alle Anstrengungen unternehmen, um das Objekt als authentischen Erinnerungsort der Aufklärung und Entmystifizierung nationalsozialistischer Ideologie bewahren, teilte ICOMOS Österreich mit.

ICOMOS-Präsident Wilfried Lipp verwies auch auf den Bescheid, mit das Haus 1993 unter Denkmalschutz gestellt wurde. Demnach sei die Liegenschaft Salzburger Vorstadt Nr. 15 in Braunau ein bedeutendes Biedermeierhaus im Kontext der Braunauer Altstadt. “Die in § 2 des Gesetzesentwurfs denkmögliche Variante einer Liquidation des Gebäudes und damit der Tilgung des materiellen Trägers von Gedächtnis und Geschichte stellt eine fatale Fehlleistung dar”, so Lipp.

Die Grünen hingegen können sich so wie Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) einen Abriss vorstellen. “Falls die rechtliche Möglichkeit besteht, ist eine Schleifung des Gebäudes die beste Variante”, erklärte der Grün-Mandatar Harald Walser. Die Grünen unterstützen das Gesetz zur Enteignung des Hitler-Geburtshauses.

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