von gru 22.02.2015 19:00 Uhr

Der 1. Weltkrieg am Karnischen Kamm: Neue Wege

Während das Gedenkjahr zum Ausbruch des 1. Weltkrieges an der Gebirgsfront 2015 begonnen hat, laufen besonders in den Ost-Tiroler Orten die Vorbereitungen zu zahlreichen Initiativen. Die Gemeinde Kartitsch ist hierbei ein Vorreiter.

Knieberg Luftbild. Bild: Gemeinde Kartitsch

Neben der Ausstellung  Grenzgang. Der 1. Weltkrieg im Pustertal. 1914-1918, die im Sommer und Herbst 2014 in Kartitsch, Sillian, Bruneck und Sexten zu sehen war und sehr positives Echo erhalten hat, haben sich bereits Anfang 2013 die Grenzgemeinden Kartitsch, Sexten und Comelico Superiore zusammengetan, um eine gemeinsame Initiative gegen das Vergessen quer über die Staats-, Regions- und Sprachgrenze hinweg zu starten.

Den Rahmen bildete ein von Interreg Rat Dolomiti Live gefördertes Projekt, das über den Kleinprojekte Fond finanziert wird.

Neue Methoden

Ziel war es, im historischen Grenzgebiet zwischen Tirol und Venetien einen kurzen Frontabschnitt erstmals komplett zu vermessen und durch eine historisch-touristische Karte dem interessierten Publikum zugänglich zu machen.

Zahlreiche Gespräche mit Wanderern auf dem Karnischen Höhenweg haben nämlich gezeigt, dass die Überreste der Jahre 1915 bis 1917 bei Einheimischen und Gästen im Vorbeigehen viele Fragen aufwerfen, die bisher aber leider unbeantwortet geblieben sind.

Fragen der Gäste und Einheimischen beantworten

Im Rahmen des von Interreg gewünschten Know-How-Austausches wurden den benachbarten Gemeinden zusätzlich neue Arten der großflächigen und kostensparenden Geländeaufnahme und Präsentationsmethoden für das Freilichtmuseum der Zukunft vermittelt.

Dazu fertigen die Projektpartner vom heutigen Zustand einiger Strukturen 3D Modelle an, um diese später einmal, nach erfolgter Rekonstruktion am Computer, quasi „im Vorbeigehen“ in ihrer damaligen Gestalt digital erleben zu können.

In den Archiven

Als erster Schritt wurden im Frühjahr 2014 im österreichischen Staatsarchiv/Kriegsarchiv Wien, im Archiv des „Museo per la Grande Guerra“ in Rovereto und im historischen Archiv der italienischen Luftwaffe in Rom nach Unterlagen aus der Zeit des Krieges gesucht, um die erhaltenen Strukturen zu lokalisieren und nach der Feldaufnahme zu interpretieren.

Außerdem bilden sie die wissenschaftliche Grundlage für den beschreibenden Teil der historisch-touristischen Karte. Insgesamt wurden dabei über 3500 Dokumente zusammengetragen und lagern nun in den Archiven der Gemeinden.

Über 2.500 Objekte

Im Mittelpunkt des Projektes standen die Feldaufnahmen, die im August und September 2014 trotz häufigem Nebel, Wind, Eisregen und Schnee durchgeführt wurden.

Dabei folgte man der bereits erfolgreich vom Landesamt für Bodendenkmäler Süd-Tirol bei Strukturen des 1. Weltkrieges angewandten, schnellen und kostengünstigen Methode der Aufnahme mit GPS, Beschreibung und Interpretation aller Strukturen, 3D Aufnahme wichtiger Objekte, Aufbau einer Bilddatenbank mit eingemessenen Aufnahmestandorten, sowie Luftaufnahmen mit Hilfe einer ferngesteuerten Flugdrohne.

Es wurden möglichst alle Hinterlassenschaften des 1. Weltkrieges rund um den Knieberg, sowie zwischen Eisenreich und Obstanser Sattel erfasst.

600 Kilometer Frontlinie

Rund um den Knieberg wurden z.B. rund 850 Objekte erhoben, auf dem ca. 2.2 Kilometer langen Abschnitt vom Eisenreich bis zum Obstanser Sattel waren es rund 1800.

Nach Abschluss der Feldarbeiten folgte im Herbst 2014 die Verarbeitung und Aufbereitung der aufgenommen Daten.

Die Daten werden als Grundlage für die Erstellung einer Wanderkarte verwendet, die zusätzlich historische Informationen über den Frontabschnitt beinhaltet.

Historische Wanderkarte

Der Know-How-Austausch fand im Dezember 2014 in Form von Präsentationen der Projektergebnisse und der verwendeten Arbeitsmethoden in allen drei Partnergemeinden statt, wobei wir besonderen Wert auf die Vermittlung der Vorteile von Open Source Hardware und Software für kostengünstiges und freies Arbeiten legen.

Zudem wurden neue technische Entwicklungen vorgestellt, die für die zukünftige Nutzung und Vermittlung der Denkmäler von Bedeutung sind:

Dabei ging es vor allem um Technologien wie WebGIS und Erweiterte Realität (Augmented Reality) welche die traditionelle Präsentation in Form von Schautafeln oder Wiederaufbauten mittelfristig ergänzen werden.

Kartitsch: Es geht weiter

Die Ost-Tiroler Grenzgemeinden möchten während der kommenden Gedenkjahre die Initiative aus Kartitsch aufgreifen und weiterentwickeln.

Ziel ist die digitale und interaktive Präsentation der Denkmäler des 1. Weltkrieges am westlichen Karnischen Kamm, die für die gesamte Region ein touristisches Alleinstellungsmerkmal darstellen wird.

Lesen Sie weitere Beiträge zu diesem Thema:

Punta Linke: Der Erste Weltkrieg hautnah

Kartitsch: Erstmals Denkmalschutz für 1. Weltkrieg

Der Sammlerverein Ortlerfront – Erster Weltkrieg


 

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