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  • Minderheiten in Europa beklagen Diskriminierung und Hass

    Minderheiten in Europa sind nach wie vor Opfer von Diskriminierung, Intoleranz und Hass. Zu diesem Schluss kommt die EU-Grundrechteagentur (FRA) angesichts ihrer jüngsten Befragungsergebnisse. In Österreich berichteten Migranten aus dem südlichen Afrika (Sub-Sahara) und der Türkei von Diskriminierungen in verschiedenen Lebensbereichen wie etwa am Arbeitsplatz oder beim Wohnen.

    APA (dpa/Archiv)

    Für die Gesamterhebung führte die FRA, die ihren Sitz in Wien hat, mit mehr als 25.500 Personen, “die einen Migrationshintergrund haben bzw. einer ethnischen Minderheit angehören”, eine persönliche Befragung in allen 28 EU-Staaten durch. Nun veröffentlichte die Grundrechteagentur Teilergebnisse, bei der bestimmte Minderheiten in ausgewählten EU-Ländern interviewt wurden.

    Die FRA stellt den EU-Ländern im Umgang mit Minderheiten auf jeden Fall kein gutes Zeugnis aus: Demnach berichteten 38 Prozent der Befragten in den vergangenen fünf Jahren Opfer von Diskriminierung geworden zu sein, wobei Nordafrikaner (45 Prozent), Roma (41 Prozent) und Migranten aus Sub-Sahara-Ländern (39 Prozent) besonders betroffen waren. Am häufigsten zu einer Diskriminierung kam es bei der Arbeitssuche.

    Auch Österreich schneidet bei der Studie nicht gut ab. Dort lag der Wert bei den befragten Migranten erster und zweier Generation aus Sub-Sahara-Ländern bei 51 Prozent. Das war der vierthöchste Wert unter den zwölf ausgewählten EU-Ländern. Nur in Luxemburg (69 Prozent), Dänemark (55 Prozent) und Deutschland (52 Prozent) gab es mehr Berichte über Diskriminierungen.

    Ein ähnliches Bild zeigte sich bei Migranten erster und zweiter Generation aus der Türkei. Dort berichteten 40 Prozent der Befragten, Diskriminierung erfahren zu haben. Von den insgesamt sechs EU-Ländern war der Wert nur in den Niederlanden mit 58 Prozent höher, der Durchschnitt lag bei 34 Prozent. Ergebnissen zu anderen Minderheiten in Österreich waren nicht Teil des jetzt veröffentlichten Datensatzes.

    Besorgt zeigt sich die EU-Grundrechteagentur, dass 88 Prozent der Fälle von ethnischer Diskriminierung, 90 Prozent der durch Hass motivierten Belästigungen und 72 Prozent der durch Hass motivierten Gewaltakte nicht gemeldet wurden. Dabei müssten, fordert FRA, “Strafverfolgungsbehörden und Gleichbehandlungsstellen die richtigen Instrumente erhalten, damit sie solche Anzeigen effektiv weiterverfolgen können.”

    FRA-Direktor Michael O’Flaherty wirft den EU-Staaten hier Versäumnisse vor. “Vor nahezu zehn Jahren haben wir warnend darauf hingewiesen, dass ethnische Diskriminierung und ethnischer Hass weite Verbreitung gefunden haben”, kritisierte O’Flaherty . Er warnt vor einer Verschärfung der “Ungleichheiten, die Generationen verderben”.

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