• Südtirol
  • Die Uni-Bozen als Italiener-Magnet?

    Die Freie Universität Bozen definiert sich in ihrem Leitbild als Schnittstelle zwischen dem deutschen und italienischen Kultur- und Wirtschaftsraum. Die Mehrsprachigkeit in Lehre und Forschung, sowie ein hoher Internationalisierungsgrad sollen zu einem funktionierendem interkulturellen Austausch führen. So lautet die Eigendefinition der Alma Mater. Doch inwieweit deckt sich diese ursprüngliche Zielsetzung mit der Realität?

    Universität Bozen - Foto: UniBz

    Von Efrem Oberlechner.

    Werden die neuesten Zahlen zur Herkunft der Studenten, die aus einer Beantwortung einer Landtagsanfrage der Süd-Tiroler Freiheit hervorgehen, näher unter die Lupe genommen, scheint dies nur bedingt der Fall zu sein. Offiziell wird die Sprachgruppe der eingeschriebenen Studenten nicht erhoben. Aufgrund der Herkunft lässt sich allerdings sehr gut abschätzen, welcher Muttersprache die Studenten angehören.

    Im Studienjahr 2016/2017 sind an der Universität Bozen insgesamt 3073 Studenten inskribiert. Davon sind 1084, also rund 35 Prozent, Italiener. Bedenkt man, dass der Italieneranteil bei den als Südtiroler gelisteten Studenten entsprechend der Verteilung der Sprachgruppen im Land in etwa ein Viertel beträgt, so dürfte die Gesamtzahl der italienischen Muttersprachler den obigen Prozentsatz weit übersteigen. Es kann davon ausgegangen werden, dass in etwa jeder zweite Student an der Universität italienischer Zunge ist.

    Den drittgrößten Anteil stellen die 210 Studenten aus Deutschland. Die Zahl der Studenten, die aus Nicht-EU Staaten stammen, hat sich mit derzeit 138 im Vergleich zum vergangenen Jahr verdoppelt. 51 Studenten kommen aus dem nicht deutschsprachigen EU-Raum (sofern sie nicht aus der Schweiz oder aus Liechtenstein stammen). Das Schlusslicht bildet unser nördlicher Nachbar: lediglich 26 österreichische Studenten besuchen derzeit die Universität Bozen und ihre Außenstellen – drei weniger als im Vorjahr.

    Generell lässt sich im Vergleich zum vergangen Studienjahr 2015/2016 feststellen: Während in nahezu allen Studiengängen der Anteil an Italienern angestiegen ist – in den meisten Fällen sogar deutlich – stagnierte jener der Studenten aus Südtirol, Deutschland und Österreich auf tiefem Niveau.
    Die Italiener stellen in den allermeisten Studiengängen die Mehrheit dar. Ein Beispiel ist der Masterstudiengang in Energie und Ingenieurswissenschaften: Der Italieneranteil beträgt zirka 80 Prozent. Beim Bachelor in Ökonomie und Sozialwissenschaften stammen knapp 60 Prozent der Studenten aus dem Trentino oder Italien. Ein ähnliches Bild ergibt sich beim Bachelor-Studiengang in Design und Künste: Das Verhältnis zwischen Italienern und Deutschen beträgt dort zirka 60 zu 40.
    Einzig die Bildungswissenschaften im Primarbereich, der Bereich der Sozialarbeit und der Sozialpädagogik sowie der Kommunikations- und Kulturwissenschaften heben den Prozentanteil der Südtiroler Studenten an der Universität.

    Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Außer für die Südtiroler scheint die Universität Bozen vor allem für die Italiener interessant zu sein, am wenigsten jedoch für unsere deutschsprachigen Nachbarn aus Deutschland und Österreich. Die Schnittstelle zwischen dem deutschen und italienischen Kultur- und Wirtschaftsraum scheint vielmehr eine Einbahnstraße von Süden her zu sein. Dies führt zum Ergebnis, dass die Freie Universität Bozen weder zum Schutz, geschweige denn zur Stärkung der deutschen Volksgruppe in Südtirol dient. Weil sie insbesondere Italiener anzieht.

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